Wir messen quantitativ, weil wir außen messen statt innen. Wir sehen und interpretieren die Umstände von anderen und schließen zurück auf uns. Wir sehen Quantität und Qualität außerhalb von uns und wir glauben tatsächlich, wir könnten auf das Innenleben bei den anderen oder auch bei uns selbst zurückschließen. Wir hätten eigentlich mittlerweile genügend Erfahrung, um zu erkennen, dass diese Rückschlüsse Trugschlüsse sind. Aber irgendwie wollen wir es nicht wahrhaben.
Wir jagen lieber weiterhin der Illusion nach, als uns selbst zu enttäuschen. Und deshalb täuschen wir uns. Und unsere Selbsttäuschung in den Bereichen Erfüllung und Fülle sind die größten. "Hätte ich doch nur mehr von dem, dann würde es mir viel besser gehen." "Wäre mein Partner anders, wäre mein Leben erfüllter."
Fülle und Erfüllung sind immer das, was jetzt bereits hier ist. Wir machen nur einen Mangel daraus, indem wir so tun, als wäre das zu wenig oder ungenügend. Selbst wenn das, was jetzt hier ist, nicht angenehm ist, so ist es trotzdem das einzige, was jetzt hier ist. Und damit ist es das einzige, das relevant ist. Und so wie es ist, ist es auch in absoluter Fülle hier. Wir können die Fülle nur deshalb nicht wahrnehmen, weil wir sie ablehnen. Wir lehnen die Fülle von dem ab, was jetzt hier ist. Und wir lehnen es ab, weil wir es als ungenügend oder negativ bewerten.
Wir sind beim Thema Fülle nämlich äußerst selektiv. Und das selbst, obwohl wir wissen, dass die extrem bereichernden Erfahrungen selten die einfachen Erfahrungen sind. Auch das könnten wir nach ein paar Jahrzehnten der Beobachtung herausgefunden haben. Dabei geht es nicht um künstlichen Positivismus. Wir sollten uns die Dinge und die Umstände nicht schönreden, aber wir sollten sie uns auch nicht künstlich schlechtreden.
Solange wir eine Erfahrung machen, sind wir hier. Nur durch die Bewertung dieser Erfahrung wollen wir immer schon verschwinden, bevor wir sie überhaupt gemacht haben. Wir wollen die Erfahrung beenden. Deshalb entsteht der Wunsch nach Fülle und Erfüllung immer im Widerstand zum jetzigen Moment. Wir entwickeln diesen Wunsch, weil wir es anders wollen und nicht, weil wir Fülle und Erfüllung so gut finden.
Fülle und Erfüllung kannst du auch ohne künstlichen Positivismus in jeder Erfahrung erleben. Dazu musst du deine Gedanken verlassen. Gedanken, die dir sagen, wie es ist, wie es besser wäre, wie es richtigerweise sein sollte, was viel und was wenig ist, was du fühlen müsstest, damit es eine gute Erfahrung ist. Es müsste dir auch egal werden, wie es bei anderen ist, wie viel andere haben und was andere erleben.
Nichts davon hat etwas mit dir zu tun. Mit dir hat das zu tun, was du versuchst zu verdrängen, indem du nach Erfüllung und Fülle strebst. Und genau deshalb wirst du beides nicht erreichen. Du verdrängst nämlich diejenige Fülle und Erfüllung, die jetzt bereits hier ist. Und die liegt nur in dem, wie es tatsächlich für dich ist.