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    16.11.2025AQ 2914
    »Menschenkenntnis beruht immer auf Selbsterkenntnis.«
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    Je größer deine Selbsterkenntnis, desto größer ist deine Menschenkenntnis. Solange du dich selbst nicht kennst, kannst du andere niemals kennen. Nur wenn du die Tricks deines eigenen Verstandes kennst, kannst du auch die Tricks des Verstandes der anderen erkennen. Und nur wenn du weißt, wie du funktionierst, weißt du auch, wie alle anderen funktionieren. 

    Dabei geht es nicht um die Details, sondern um deinen grundlegenden Antrieb. Es geht um das Wechselspiel von Gedanken, Gefühlen und Handlungen, wie sie aufeinander wirken und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Es geht dabei nicht um das thematische Verständnis deiner Gedanken, Gefühle und Handlungen in bestimmten Situationen. Es geht um das Verständnis der Funktionsweise deines gesamten inneren Systems. Denken bringt dich da nicht weiter, denn es geht um Entlarvung. Diese Entlarvung ist durch erklärende Gedanken nicht machbar. Mit erklärenden Gedanken bleibst du im Bereich der Psychologie hängen. Das ist zwar ganz nett, aber noch keine echte Selbsterkenntnis.

    Selbsterkenntnis ist tiefer und kann deshalb niemals auf Denken beruhen. Du musst in der Lage sein, nach innen zu gehen und um nach innen gehen zu können, musst du bereit sein, alle Gefühle zu fühlen, die dabei in dir entstehen. Du musst in der Lage sein, Gedanken zu ignorieren und Handlungsimpulsen nicht zu folgen. Das bedeutet nicht, dass du irgendetwas unterdrücken musst. Es bedeutet, dass du es hier sein lassen kannst, ohne etwas damit zu tun. Und du musst auch in der Lage sein, etwas zu tun, was dir dein Verstand, deine Programmierung, dein Ego verbietet, zum Beispiel dich entschuldigen.

    Wenn du die Menschen kennenlernen willst, genügt es vollkommen, dich selbst kennenzulernen. Nach deinem Selbststudium ist das Studium anderer Menschen obsolet. Es ist aber nicht nur überflüssig, sondern auch uninteressant. Denn durch dein Selbststudium wird dein Blick so sehr nach innen gerichtet, dass der nach außen gerichtete Blick seine Attraktivität verliert. Vor allem aber merkst du, dass er dir nichts bringt. Er bringt dir nicht das, was dir ein nach innen gerichteter Blick bringt. Dein Selbststudium ist das viel größere Abenteuer.

    Die offizielle Sichtweise von Selbsterkenntnis ist wieder einmal eine vollkommen andere. Sie spricht davon, dass die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis eine gewisse Objektivität der Selbstbeobachtung und des Selbstbildes voraussetzt. Objektivität bedeutet aber Abspaltung. Das, was ich beschrieben habe, ist das Gegenteil. Es ist vollkommene Subjektivität und die Bereitschaft, diese Subjektivität auch so hier sein zu lassen, wie sie ist.

    Der Versuch, objektiv zu sein, bevor man seine eigene Subjektivität vollkommen erforscht hat, ist immer zum Scheitern verurteilt. Und paradoxerweise führt die Bereitschaft zur Anerkennung der eigenen Subjektivität zu objektiver Menschenkenntnis.

    Menschenkenntnis
    Selbsterkenntnis
    Entlarvung