Wenn du von Herrschaft lebst, musst du dafür sorgen, dass es einen Grund gibt, sie aufrecht zu halten. Du brauchst einen Grund dafür, herrschen zu müssen. Denn ohne Nachfrage nach Herrschaft bist du arbeitslos. Deshalb hast du einen großen Anreiz, dafür zu sorgen, dass es eine Nachfrage nach Herrschaft gibt. Es muss also so erscheinen, als gäbe es eine Notwendigkeit dafür. Wenn du Herrscher bist, kannst du dadurch nicht dafür sorgen, dass es keine Probleme mehr gibt. Denn ohne Probleme gibt es auch keine Notwendigkeit für Herrschaft mehr.
Falls die Probleme also wegfallen, musst du dafür sorgen, dass neue entstehen. Ob dir das bewusst ist oder nicht, ist dabei nicht entscheidend. Alleine die Tatsache, dass du von Herrschaft lebst, sorgt selbst unbewusst dafür, dass du Herrschaft begründen musst. Und deshalb besteht die Gefahr, dass du Probleme kreierst, falls es keine gibt. Denn nur Probleme rechtfertigen die Existenz von Herrschaft.
In einer Welt, die frei ist von Problemen, kann Herrschaft nicht gerechtfertigt werden. Herrschaft basiert auf der Idee, dass du in das Leben anderer eingreifst, um deren Probleme zu lösen. Das geschieht vielfach ohne den Nachweis des Herrschers, dass er der Richtige für diesen Job ist. Er muss weder beweisen, dass er ähnliche Probleme bei sich selbst gelöst hat, noch muss er nachweisen, dass er diese Probleme überhaupt lösen kann.
Die Nachfrage nach Herrschaft genügt, damit ein Vakuum entsteht, von dem sich der Herrscher angezogen fühlt und in das er sich einbringt. Die Grundlage von Herrschaft ist also eben nicht, dass die Probleme von anderen gelöst werden, sondern der Wunsch, über andere zu bestimmen und der Wunsch, dass über uns bestimmt wird. Wir wollen nicht alleine entscheiden und dieses Vakuum wird von denen gefüllt, die gerne über andere entscheiden. Deshalb führen auch immer die gleichen Argumente zu Herrschaft. Es wird dir immer angeboten, dass es durch Herrschaft einfacher, bequemer und sicherer wird.
Du könntest zwar selbst dafür sorgen, dass es einfacher und sicherer wird, doch du scheust den Aufwand und du scheust diesen Aufwand nur, weil man dich von Anfang an daran gewöhnt hat, dass andere dafür zuständig sind. Man hat dich zu einem funktionierenden Mitglied dieser Gesellschaft gemacht, indem man dich dazu programmiert hat, Herrschaft nachzufragen. Nur deshalb gibt es einen Bedarf und nur deshalb wird dieser Bedarf befriedigt.
Ohne die Nachfrage nach Herrschaft gibt es keine Herrschaft. Da wir gleichzeitig auf Kollektivismus programmiert sind, glauben wir, wir bräuchten eine Bewegung, um Herrschaft abzuschaffen. Tatsächlich genügt es, wenn die Nachfrage nach Herrschaft individuell wegfällt. Wenn bei dir kein Vakuum mehr entsteht, weil du nicht mehr verlangst, dass andere für Einfachheit und Sicherheit sorgen, dann muss dieses Vakuum auch bei dir nicht mehr gefüllt werden.
Und jetzt rate mal, wodurch dieses Vakuum entsteht. Es entsteht nicht durch rationale Nachfrage. Es entsteht immer durch eine emotionale Nachfrage. Unsere Gefühle sorgen dafür, dass wir beherrscht werden wollen. Entstehen diese Gefühle nicht mehr, entsteht auch kein gefühltes Vakuum, das durch andere gefüllt werden kann.