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    27.10.2025AQ 2894
    »Wir denken in den falschen Kategorien und stellen deshalb die falschen Fragen.«
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    Die Kategorien, in denen wir denken, sind programmiert. Deshalb sind sie banal, absurd und obsolet. Wir verwenden generalisierende Begriffe, die Lager bilden, ohne etwas Konkretes über uns oder das Verhalten von Menschen auszusagen. Wir sagen zum Beispiel: "Er ist links." Oder "Er ist rechts." Und wir denken dabei tatsächlich, wir hätten was über den Menschen gesagt. Dabei haben wir viel mehr über uns selbst gesagt. Wir haben etwas über unser primitives Denken gesagt und wir haben unsere äußerst dummen Urteile verraten. Wir denken, wir hätten etwas äußerst Profundes über den anderen ausgesagt. In Wahrheit haben wir gar nichts über ihn gesagt.

    Wenn wir andere Menschen beurteilen oder einordnen wollen, dann gibt es viel wichtigere Fragen. Selbst wenn diese Fragen ebenfalls Kategorien eröffnen, so sind es trotzdem Fragen, deren Beantwortung tatsächlich etwas aussagt. Und das sind Fragen, die wir auch uns selbst stellen können. Hier sind ein paar dieser Fragen.

    Bist du friedlich? Hast du Ansprüche an andere? Bist du bereit, andere in Ruhe zu lassen? Willst du Krieg? Bist du bereit zu kämpfen? Lässt du dich leicht aufhetzen? Bist du aggressiv? Hast du Angst? Und vielleicht die wichtigste von allen: Wie fühlst du dich? Diese Frage ist nicht gefühlsduselig gemeint. Das verwechseln viele. Es geht darum, ob du traurig, wütend, ohnmächtig, verzweifelt, ängstlich, hasserfüllt oder erschöpft bist. Was erwartest du von der Welt? Und wie reagierst du auf die Welt? Ist dir jemand etwas schuldig? Wenn ja, warum? Wie planst du, zu deinem Recht zu kommen?

    Mit diesen Fragen wird jede Diskussion über politische und gesellschaftliche Themen vollkommen irrelevant. Denn der Grund für unsere Meinung in diesen Bereichen ist nicht, wie wir die Welt sehen. Der Grund dafür ist, wie wir sind. Unser Sein definiert unsere Meinung. Denn wir sehen unser Sein in der Welt. Und wir glauben, das sei die Welt. Dabei sind es wir. Immer wenn wir diskutieren oder streiten, streiten wir mit der Welt in uns. Wenn wir dabei auf jemanden treffen, der zurück streitet, dann denken wir wirklich, das sei alles da draußen. Wir fühlen uns in unserer Aggression bestätigt.

    Vor über 20 Jahren bin ich einmal vollkommen ausgeflippt gegenüber einem Freund und ich war es gewohnt, dass dann zurück ausgeflippt wird. Doch mein Freund hat einfach nicht reagiert. Er war auch wirklich nicht beleidigt. Er hat meinen Wutanfall nicht persönlich genommen. Er hat uns zwei Bier aufgemacht, mich gefragt, ob ich fertig bin und ob wir jetzt weiter Fußball schauen. Das war für meine Programmierung eine vollkommen neue Erfahrung. Das kannte ich bis dahin nicht. Er hat mich damit auf mich selbst zurückgeworfen. Dadurch habe ich realisiert, wie aggressiv ich bin. Und das ist der Kern.

    Es geht nicht darum, was wir glauben oder wovon wir fest überzeugt sind. Es geht darum, wie wir sind.