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    26.10.2025AQ 2893
    »Tiefe braucht kein Publikum. Du lebst sie für dich.«
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    Das heutige Zitat ist eine Erinnerung an mich. Denn ob du es glaubst oder nicht, ich bekomme von der Wirkung meiner Zitate nichts oder nur ganz wenig mit. Das liegt zum einen daran, dass sich nur sehr wenige trauen, meine Zitate zu teilen und zu kommentieren. Vor allem aber liegt es daran, dass kein noch so positiver Kommentar eine Veränderung meiner inneren Struktur herbeiführt. Und falls ich gerade in meiner alten inneren Struktur verweile, die mir glaubhaft versichert, es sei nichts Besonderes, was ich mache und ich könnte nichts Wertvolles beitragen, dann kann mich keine Rückmeldung dieser Welt vom Gegenteil überzeugen. Deshalb muss ich so weitermachen, wie ich begonnen habe. Und ich habe genau wie du ohne Publikum begonnen.

    Das kannst du sowohl auf den Beginn deines Lebens als auch auf den Beginn deiner Tätigkeit beziehen. Du beginnst ohne Publikum und du endest ohne Publikum. Zwischendrin kann es passieren, dass dir ein paar Menschen zustimmen oder sogar zujubeln. Das ist im Kern aber keine echte Zustimmung, denn die echte Zustimmung kann nur aus dir selbst heraus entstehen. Du musst merken, dass du das Richtige tust. Wenn du es nicht merkst, kann das keiner für dich tun. Und falls es doch jemand für dich tut, ist es eher wie eine Fata Morgana, die dich zu vielen Trugschlüssen verleiten kann.

    So eine positive Rückmeldungsschleife kann dich nämlich ganz gewaltig manipulieren. Und während du glaubst, die anderen manipulieren dich dabei, machst du das tatsächlich selbst. Das hängt davon ab, wie du positive Rückmeldungen verarbeitest. Wenn du anerkannt und beliebt sein willst, dann wirst du die positiven Rückmeldungen versuchen, zu wiederholen. Und sobald du das versuchst, bist du nicht mehr echt. Du machst das, was dein Publikum erwartet und nicht das, was du gut findest. Es ist dabei egal, ob da ein Publikum, deine Freunde oder ein Saal voller Menschen sind. Du orientierst dich am Äußeren.

    Ich könnte also, ohne es mir damit schönzureden, von Glück sprechen, dass mir kein großes Publikum zujubelt. Wenn ich das gerade nicht sehen kann, erinnert mich meine Freundin daran. Denn das Ergebnis dieses Publikums und das Ergebnis des Effekts des Publikums, das dir zujubelt, kannst du bei sogenannten Personen des öffentlichen Lebens überall beobachten. Und das, was du dort beobachten kannst, ist überhaupt nicht schön. Da sind Menschen nämlich so, wie sie denken, dass sie sein sollten. Und da sind Menschen so, wie sie es sich vorstellen, dass es richtig sei. Dadurch sind sie nicht so, wie sie wirklich sind. Sie säuseln zum Beispiel in jedem Video von Liebe, obwohl sie auch andere Zeiten kennen. Sie versuchen einem Bild zu entsprechen, ohne es selbst zu merken.

    Das ist auch die größte Versuchung in der Spiritualität. Ganz egal, wie groß dein Publikum ist und ganz egal, ob du dich als Person des öffentlichen Lebens siehst oder ob du nur mit Freunden bist, du glaubst, etwas darstellen zu müssen, was überhaupt nicht hier ist. Dieser Drang ist so subtil, dass er den meisten Menschen überhaupt nicht auffällt. Deshalb gibt es da draußen so viele Karikaturen. Sie propagieren etwas, das sie selbst überhaupt nicht leben. Ich kenne diesen Drang, dass meine Tiefe anerkannt wird, auch von früher im Privaten. Aber meine Tiefe wurde nicht anerkannt. Ganz im Gegenteil, sie wurde kleingeredet und banalisiert. Mein Vater hat mir sogar noch kurz vor seinem Tod geschrieben, dass er mindestens genauso viel Tiefe hat wie ich. Das hat er in einen sarkastischen Vorwurf verpackt.

    Die Anerkennung, die du dir von anderen wünschst, wünschen sich diese Menschen für sich selbst. Wenn sich Bedürftige gegenseitig anerkennen, ist das nie befriedigend. Es bleibt immer eine Lücke zurück. Und diese Leere kann nur von dir gefüllt werden, indem du deine Tiefe lebst, statt ein Publikum dafür zu suchen.

    Tiefe
    Anerkennung