In Zeiten von Social Media ist das das wichtigste Wort, das es gibt. Ich neige dazu, Menschen, die überzeugend auftreten, zu glauben und zu vertrauen. Das liegt daran, weil ich selbst nur dann überzeugend auftreten kann, wenn ich es selbst erlebt habe. Die sogenannten sozialen Medien fördern aber ein gegenteiliges Verhalten.
Klicks und Zugriffe bekommen diejenigen, die möglichst reißerisch alles Mögliche behaupten. Sie formulieren es verschieden, aber die dahinterliegende Haltung ist immer: "Du brauchst ja nur." Oder "Du musst ja nur." "Mach doch einfach das und alles in deinem Leben ist geregelt." Und das stimmt nie! Das stimmt auch im Leben derjenigen nicht, die das behaupten. Vielleicht stimmt es bei diesem einen Thema bei ihnen, aber ganz sicher nicht in den restlichen Bereichen ihres Lebens.
Da fallen sie nämlich auf diejenigen herein, die ihnen sagen: "Du musst ja nur!" Und sie versuchen es. Und sie machen, was sie ja nur machen müssen. Aber es klappt nicht. Das können sie aber niemals öffentlich ansprechen, denn dann müssten sie ja auch ihre eigenen Worte verändern. Dann müssten sie zugeben, dass sie es nicht wissen oder dass sie nur ein paar wenige Dinge wissen. Und in Zeiten, in denen jeder gerne ein Experte sein möchte, will das keiner eingestehen, noch nicht einmal sich selbst gegenüber.
Wenn dir ein 27-jähriger YouTuber, der gerade erst sein Medizinstudium abgeschlossen hat, medizinische Studien zitiert, um seine Argumente zu untermauern, dann frag mal einen Facharzt. Die wissen eher, dass sie nichts wissen. Selbstbewusst auftreten zu können, ist die eine Sache. Etwas tatsächlich zu können, eine ganz andere.
Aufgrund von Erfolg und Anerkennung ein großes Ego zu entwickeln, ist keine Kunst. Tatsächlich zu helfen dagegen schon. Und wenn du erkennst, dass du in den meisten Fällen nicht helfen kannst, dann macht dich das demütig. Demut würde den meisten Erfolgreichen gut zu Gesicht stehen. Am einfachsten ist das zu erreichen durch einen Realitätsabgleich zwischen behaupteter und erlebter Realität.
Behauptet ist etwas schnell und leicht. Es zu erleben fällt uns meistens nicht ganz so leicht und es geht auch nicht so schnell. Dann auch noch differenzieren zu können zwischen unserem Wunschdenken und dem, was wir tatsächlich erlebt haben, ist eine hohe Kunst, die die meisten nicht beherrschen. Es ist immer einfacher, hinterher eine Heldengeschichte zu erzählen. Währenddessen haben wir uns überhaupt nicht als Held gefühlt. Ganz im Gegenteil.
Doch diese Form der Ehrlichkeit, der Authentizität, ist nicht weit verbreitet. Du musst sie wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen — solange du bei anderen suchst. Es gibt einen Ort, dort findest du sie schneller. Es ist vielleicht nicht einfach, aber wenn du fest entschlossen bist und den Realitätsabgleich immer wieder in deinem eigenen Leben machst, dich dabei nicht belügst und vollkommen ehrlich zu dir selbst bist, dann findest du Ehrlichkeit und Authentizität. Am einfachsten ... bei dir.