Diejenigen, die die Meinungsfreiheit verteidigen möchten, wissen gar nicht, was eine Meinung ist. Sie haben ein vollkommen falsches Verständnis von Meinung und Meinungsfreiheit. Das hat damit zu tun, dass sie noch nicht einmal erkennen können, dass sie ihre Meinung einfach nur von anderen übernommen haben. Eine echte Meinung ist etwas, auf das du selbst kommst. Nichts, was dir vorgekaut wurde. Und du kommst selbst darauf, weil du etwas erlebt hast oder weil du etwas gefühlt und dadurch erkannt hast.
Das macht es individuell und auch subjektiv. Und subjektive Erkenntnis ist spirituell, da du deine Meinung, die du dadurch hast, niemandem oktroyieren willst. Dir ist dann vollkommen klar, dass jeder andere auch einen Weg gehen muss, um etwas zu erkennen. Deshalb willst und kannst du deine Erkenntnis auch niemandem oktroyieren, denn dir ist dein eigener Erkenntnisweg heilig. Wie könntest du also den Erkenntnisweg von anderen stören? Du weißt jetzt, jeder muss selbst draufkommen, weil auch du selbst draufkommen musstest.
Natürlich kannst du dich inspirieren lassen und auch andere inspirieren. Doch durch deinen eigenen Erkenntnisweg kennst du jetzt den Unterschied zwischen Inspiration und dem, was du vorher gemacht hast. Vorher wolltest du, dass andere so sind, wie du es gerne hättest. Das ist Kollektivismus. Und sogar schlimmer noch: Das ist Tyrannei. Denn du hättest gerne, dass die anderen deine Meinung einfach übernehmen, damit es dir besser geht. Und das ist vollkommen verrückt, denn es bringt dir gar nichts, wenn jemand deiner Meinung ist. Es gibt dir wirklich absolut nichts.
Tyrannei wird also aus vollkommenem Wahnsinn kreiert, weil wir denken, es würde uns etwas geben, wenn uns andere Menschen zustimmen. Es gibt uns aber nichts, weil sich dadurch überhaupt nichts an der Welt verändert, weder an der äußeren Welt noch an deiner inneren. Das Einzige, das etwas verändert, ist, wenn du entsprechend deiner eigenen Meinung, die deiner Erfahrung entspringt, handelst. Diese Handlung darf durchaus auch einmal ablehnend sein, indem du zum Beispiel "Nein" sagst, weil du etwas nicht willst, oder indem du Menschen, mit denen du nicht klarkommst, nicht mehr triffst.
In meinem Leben hat sich das anders und von selbst ergeben — und zwar dadurch, dass ich gehandelt habe auf eine zustimmende Art und Weise. Wem oder was habe ich zugestimmt? Mir, meiner Erfahrung, meiner Meinung. Ich habe so gehandelt, dass ich meine Meinung gelebt habe. Ich habe nicht über meine Meinung diskutiert. Ich wollte meine Erfahrung irgendwann Gott sei Dank niemandem mehr oktroyieren und das konnte ich nur erkennen, weil ich sie viele Jahre anderen oktroyieren wollte. Ich habe meine Meinung noch nicht einmal mehr kundgetan. Deshalb musste ich sie auch niemandem gegenüber mehr verteidigen. Meine Meinung wurde zu meinem Leben und nur dafür ist eine Meinung gut.
Wenn du deiner Meinung zustimmst, lebst du sie und ein Leben in Übereinstimmung mit deiner Meinung ist authentisch. Das fühlen auch andere. Und irgendwann, nach vielen Jahren des übereinstimmenden Lebens mit deiner Meinung, fragen dich Menschen, wie du das machst und dann kannst du andere inspirieren. Deine Meinung, die du nicht lebst, inspiriert nämlich niemanden. Eine Meinung, die du nicht lebst, sorgt für Diskussionen und Streit. Selbst eine Meinung, die du beginnst zu leben, sorgt anfangs noch für Streit, denn die Menschen in deinem Umfeld sind das nicht gewöhnt. Aber auch du bist es nicht gewöhnt, deine Meinung erst zu leben, dann lange Zeit die Klappe zu halten, nichts zu sagen und deine Meinung dann nur kundzutun, wenn du gefragt wirst.
So lange wollen die meisten nicht warten. Und das liegt nur daran, weil ihre Meinung ein Eigenleben führt, das ihr überhaupt nicht gehört. Es gehört ihr nur, wenn du sie lebst, deine Meinung.