Ich bin mir sicher, dass du das kennst. Sehr wahrscheinlich hast du schon einmal an einer geführten Meditation teilgenommen. Da wirst du eingeladen, nach innen zu gehen und dann sollst du durch schöne Bilder schöne Gefühle produzieren. Das hat mit "nach innen gehen" überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, du bist damit weiterhin abhängig von deinem Verstand.
Schlechte spirituelle Lehrer gehen davon aus, dass das Ziel von Spiritualität ein gutes Gefühl sei. Das ist natürlich absoluter Blödsinn, aber der hält sich hartnäckig. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Gute Gefühle lassen sich einfacher verkaufen und schlechte Gefühle verkaufen sich überhaupt nicht gut.
Fast genau so schlecht verkauft sich Neutralität. Denn der Verstand ordnet Neutralität als Langeweile ein. Er hätte gerne spektakuläre Erfahrungen und Gefühle. Wenn ihm das nicht versprochen wird, wird es für ihn sehr schnell uninteressant. Sobald es gefühlt unspektakulär ist, stuft es der Verstand als langweilig oder irrelevant ein. Er kann es sich nicht vorstellen, in diesem Zustand zufrieden zu sein.
Wenn es dir auch so geht, dann schau dir mal Tiere an, wie langweilig und gelangweilt sie teilweise abhängen und dabei ziemlich zufrieden wirken. Das wäre ganz sicher nicht möglich, wenn sie währenddessen denken würden, dass sie Versager sind, weil sie gerade nichts machen und das schon seit Stunden. Ein Tier denkt nicht: "Mir ist langweilig", weil dieser Gedanke das Urteil voraussetzt, dass Langeweile schlecht sei. Wir Menschen denken diesen Gedanken immer dann, wenn wir ein Urteil darüber haben. Wenn wir kein Urteil darüber haben, ist es ein traumhafter Zustand, den sich viele wünschen, solange sie denken, dass sie unfreiwillig arbeiten müssen.
Während wir gestresst sind, wünschen wir uns Langeweile. Wenn diese Langeweile dann in unser Leben kommt, wünschen wir uns wieder Stress. Unser Verstand möchte wieder Aufregung und deshalb kreiert er sie. Und wenn er sie dann kreiert hat, fühlen wir uns gestresst und er wünscht sich wieder Langeweile. Das ist der prinzipielle Mechanismus von Verstand: So wie es jetzt gerade ist, ist es nicht in Ordnung und deshalb muss er etwas anderes kreieren.
Kreation ist kein Problem. Kreation im Widerstand ist dagegen ein großes Problem, weil es die Flucht vor einem Zustand ist, den wir mit einem neuen Zustand ablösen möchten. Dabei kreieren wir in erster Linie aber nicht einen neuen Zustand, sondern den Widerstand, in dem wir kreieren.
Die meisten Coaches und Lehrer haben von Spiritualität keinerlei Ahnung, weil ihr Verstand in Zuständen denkt. Deshalb kannst du so oft beobachten, dass sie alle nach einem besseren Leben für sich selbst und alle anderen streben. Das liegt einfach daran, dass sie ihren Verstand nicht verlassen können. Sie können das große Ganze, von dem sie die ganze Zeit sprechen, nicht erkennen. Sie haben keine Ahnung vom "Leben" und vom "Universum" und welche Worte sie sonst noch verwenden. Ihr Verstand ist überzeugt, dass sie und alle anderen hierhergekommen sind, um sich gut zu fühlen. Und ihnen fällt die Absurdität dieses Wunsches immer noch nicht auf.
Um dich gut zu fühlen, musst du nicht hierherkommen. Hier gibt es alle Erfahrungen und keine ist wertloser als die andere. Jede Erfahrung ist gleichwertig. Nur der Verstand strebt weg von dieser Erfahrung hier — ganz egal, welche das gerade ist. Denn selbst wenn du gerade eine gute, eine schöne Erfahrung machst, entwickelt er einen Wunsch. Er möchte diese Erfahrung stabilisieren und er möchte mehr davon.
Nach innen zu gehen bedeutet überhaupt nicht, dass du schöne Gefühle fühlst. Es bedeutet, dass du deinen Verstand erkennst. Es bedeutet, dass dir all das auffällt, was ich gerade erklärt habe. Was dadurch geschieht, liegt nicht in unserer Hand. Aber es liegt in unserer Hand, nach innen zu gehen und keine Erwartungen zu haben.
Diese Erfahrung bleibt den meisten schlechten spirituellen Coaches und Lehrern für immer verborgen. Sie können ihren Verstand nicht ignorieren, weil sie ihn noch gar nicht entdeckt haben.