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    13.10.2025AQ 2880
    »Der Zweck deiner Meinung ist es, Gleichgesinnte zu finden.«
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    Wir haben unsere Meinung bisher falsch eingesetzt. Deine Meinung ist für dich und für Gleichgesinnte. Denn mit ihrer Hilfe findest du Gleichgesinnte. Andere von deiner Meinung überzeugen zu wollen, ist eine Fehlleitung und eine falsche Nutzung deiner Meinung.

    Was für dich vielleicht gerade verrückt klingt, kannst du ganz einfach in der Praxis überprüfen, wenn du einen neuen Menschen kennenlernst. Am Anfang bist du vielleicht noch reserviert und traust dich nicht, das zu sagen, was deine Meinung ist. Ihr tastet euch erst einmal gegenseitig ab. Und irgendwann traut sich einer von euch beiden, seine Meinung zu sagen. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Dem anderen fällt ein Stein vom Herzen und er freut sich über das, was du gesagt hast oder er ist skeptisch bis reserviert und vielleicht sogar komplett dagegen. Dann tritt nicht nur keine Entspannung ein, sondern die Fronten verhärten sich.

    Seltsamerweise hat man uns beigebracht, dass das der richtige Zeitpunkt ist, um mit Diskussionen zu beginnen. Tatsächlich ist das der richtige Zeitpunkt, um die Diskussion zu beenden. Du hast mit Hilfe deiner Meinung oder mit Hilfe der Meinung des anderen bereits herausgefunden, dass ihr nicht zusammenpasst. Ab diesem Zeitpunkt wird der Kontakt immer unangenehmer und herausfordernder. Ihr versucht Argumente zu finden, um die Meinung des anderen zu widerlegen und ihr sucht nach Begründungen, um eure Position zu untermauern. Und das führt nie dazu, dass der andere sagt: "Ja, stimmt, da hast du eigentlich recht. Ich ändere jetzt meine Meinung." Es führt viel eher dazu, dass ihr euch immer weniger mögt. Und im dümmsten Fall beginnt ihr zu streiten.

    Meinungen sind dazu da, um Gleichgesinnte zu finden. Mit Hilfe von Meinungen kannst du Gleichgesinnte ganz leicht erkennen. Und auch das kennst du aus der Praxis. Du oder der andere traut sich, seine Meinung dir gegenüber zu sagen und die Fronten verhärten sich nicht, sondern sie werden weich und sanft. Du merkst, du hast einen Gleichgesinnten getroffen und das fühlt sich gut an. Ihr entspannt euch und ihr beginnt vielleicht auch zu diskutieren oder euch auszutauschen und ein Argument führt zum anderen — aber derart, dass ihr euch gegenseitig bestätigt. Vielleicht seid ihr manchmal in Details anderer Meinung, aber das ist nicht entscheidend. Ihr merkt, dass ihr in eine ähnliche Richtung geht.

    Diese Richtung muss nicht vollkommen identisch sein, ähnlich genügt schon. Und je mehr ihr ins Detail geht, desto spannender wird es. Denn in diesen Bereichen könnt ihr unglaublich viel voneinander lernen. Das geht nur dann, wenn man prinzipiell ähnlich schwingt. Wenn du grundlegend anderer Meinung bist als der andere, fällt es dir sehr schwer, etwas von ihm zu lernen. Wenn du dagegen bereits Gemeinsamkeiten gefunden hast, fällt es dir leichter, neue Sichtweisen anzunehmen.

    Wenn du all das, was ich bisher gesagt habe, zumindest halbwegs nachvollziehen kannst, dann stellt sich jetzt die einfache Frage, warum wir konträr dazu leben. Könnte es sein, dass man es uns anders beigebracht hat? Und wir es uns damit selbst schwer machen? Und wenn wir es uns selbst schwer machen, könnte es dann sein, dass es andere gibt, die es sich leicht machen? Und wenn es die gibt und die machen es sich leicht, könnte es dann auch sein, dass sie erfolgreicher sind?

    Wenn du es dir leicht machst, dann hast du weniger Widerstände in deinem Leben. Du hast ein Umfeld, das dir zustimmt und dir positiv zugewandt ist. Das kann man negativ sehen und die meisten Menschen sehen es auch negativ. Sie sagen dann, dass jemand von Ja-Sagern, Speichelleckern und Arschkriechern umgeben ist. Da stellt sich dann aber die Frage, ob dem tatsächlich so ist oder ob es nur so wirkt. Und für Menschen, die in der Negativität aufgewachsen sind, wirkt jedes positive Umfeld so.

    Wenn es also eine Gruppe gibt, die sich durch ihre übereinstimmende Meinung gefunden hat und diese Gruppe will möglichst wenig Konkurrenz, dann ist es doch nur schlau, wenn sie den anderen beibringt, dass sie über ihre Meinung streiten müssen. Dadurch finden die anderen nie diejenigen, die sie unterstützen. Und wenn doch, dann höchstens in ihrem Streit gegen die anderen.

    Dieser Mechanismus ist immens faszinierend. Mit seiner Hilfe kannst du dir dein Leben entweder leicht oder schwer machen. Die meisten von uns haben gelernt, sich das Leben selbst schwer zu machen. Und zwar dadurch, indem sie versuchen, andere von ihrer Meinung zu überzeugen. Das ist die größte Fehlleitung und falsche Nutzung von Meinung. Denn mit Hilfe deiner Meinung solltest du Gleichgesinnte finden, keine Gegner.

    Gleichgesinnte finden sich durch gleiche Gesinnung oder eben durch eine gleiche Meinung. Und nichts unterstützt dich so sehr wie ein Kreis gleichgesinnter Menschen.

    Meinung
    Gleichgesinnte
    Umfeld