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    12.10.2025AQ 2879
    »Durch das Fühlen deiner Gefühle hast du sie verkörpert, bevor du sie ausgelebt hast.«
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    Alles, was du gefühlt hast, musst du nicht mehr durch Ausleben verkörpern. Das bedeutet aber nicht, dass du es unterdrücken sollst. Je bewusster du fühlst, desto mehr — Achtung, jetzt kommt ein spiritueller Lieblingssatz! — bist du bei dir. Mein Eindruck ist, dass die meisten, die diesen spirituellen Lieblingssatz verwenden, überhaupt nicht wissen, was er bedeutet.

    Er bedeutet nämlich, dass du bei dir sein kannst und bei dir bleiben kannst — auch dann, falls du intensiv fühlst. Er bedeutet nicht, dass du keine intensiven Gefühle mehr hast oder nur noch schöne, intensive Gefühle hast. Er bedeutet auch nicht, dass du künstlich bei dir bleibst und so tust, als würde dir alles nichts mehr ausmachen. Er bedeutet noch nicht einmal, dass du nicht mehr reagieren musst. Er bedeutet, dass du innen bist, unabhängig davon, was du tust. Und das bedeutet, dass du im Lauf der Zeit anders reagieren kannst, als du bisher reagiert hast. Nicht künstlich, sondern echt. Also nicht, weil es dein spirituelles Ego so will, sondern weil es in dir anders entsteht.

    Du darfst also das heutige Zitat nicht als Anleitung oder Aufforderung missbrauchen. Das macht unser Verstand nämlich sehr gern und er macht das dadurch, indem er das Pferd von hinten aufzäumt. Er versucht, das Ergebnis nach außen darzustellen, bevor es tatsächlich in dir ist. Er liest also dieses Zitat: "Alles, was du gefühlt hast, musst du nicht durch Ausleben verkörpern" und dann zwingt er dich, das, was du fühlst, nicht mehr durch Ausleben zu verkörpern, also dich anders zu verhalten, als du dich verhalten würdest, wenn du etwas fühlst. Er versucht, eine Abkürzung für das Fühlen zu finden. Das ist auch natürlich für ihn und selbstverständlich, denn das ist nicht sein Metier. In diesem Bereich hat er nichts zu melden und deshalb versucht er es mit Logik.

    Die Logik ist aber nur für den Verstand natürlich. Deine natürliche Entwicklung findet vollkommen anders statt. Es ist nämlich für die meisten Menschen überhaupt nicht leicht, nach innen zu gehen. Aufgrund der spirituellen Indoktrination verbinden wir "nach innen gehen" mit schönen Gefühlen. Deshalb stehen die Menschen so sehr auf geführte Meditationen. Sie wollen nach innen zu den schönen Gefühlen geführt werden. Das hat mit Spiritualität überhaupt nichts zu tun und ist spirituelle Manipulation. Es ist der Versuch, die negativen Aspekte deines Lebens künstlich auszuklammern. Und wenn Spiritualität eines nicht ist, dann ganz sicher nicht das.

    Du musst das Pferd also von vorne aufzäumen. Du beginnst damit, dass du nach innen gehst, vollkommen unabhängig davon, was es für dich bedeutet, sprich vollkommen unabhängig davon, was du fühlst. Das und nichts anderes ist bedingungslose Annahme. Alles andere ist der Versuch, deinen Schatten, dein Trauma, dein Ego zu verdrängen. Und wenn es eine Sache gibt, die nicht funktioniert, dann ist es die Verdrängung deines Ego.

    Nichts wird im Bereich der künstlichen Spiritualität so sehr praktiziert wie das. Denn mit diesem Vorwurf kriegt dich jedes spirituelle Ego: "Du bist ja noch im Ego. Haha!" Das hört unser Ego gar nicht gern und versucht deshalb alles, sich selbst loszuwerden. Falls du sie bisher nicht verstanden hast, verstehst du jetzt die Szene im Film "Revolver" im Fahrstuhl, als sich das Ego selbst erschießt. Niemand hat es so sehr drauf, dich zu verarschen wie dein eigenes Ego.

    Versuche also nicht, etwas zu verkörpern, das du nicht bist. Fühle alles, was hier ist und mache dir über den Ausgang davon keine Gedanken.

    Gefühl
    Ausleben
    Innen