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    10.10.2025AQ 2877
    »Wenn du im Moment lebst, gibt es keine einzige Verschwörungstheorie, die dich aus der Ruhe bringt.«
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    Der sogenannte Kaninchenbau existiert nur, weil wir nicht in der Lage sind, unsere Gefühle zu fühlen. Könnten und würden wir uns selbst beobachten, wüssten wir, warum wir etwas ablehnen. Jede Theorie, jede Erklärung, die wir jemals abgelehnt haben, haben wir nicht abgelehnt, weil sie unmöglich ist. Wir haben sie abgelehnt, weil sie Gefühle in uns auslöst, die wir nicht fühlen wollen.

    Mittlerweile ist ja alles eine Verschwörungstheorie, was nicht das offizielle Narrativ bedient. Ich spreche deshalb lieber von alternativen Welterklärungsmodellen. Und das bedeutet nichts anderes als: Es könnte anders sein, als wir bisher gedacht haben. Und warum eigentlich auch nicht? Um herauszufinden, warum wir etwas ablehnen, aber auch, warum wir uns in etwas so hineinsteigern, müssten wir nur herausfinden, wie wir bisher auf die Idee gekommen sind, etwas zu wissen. Und wenn wir das genau untersuchen, müssten wir zugeben, dass wir es in den meisten Fällen nicht aus eigener Erfahrung wissen.

    Fast alles, was wir behaupten zu wissen, wissen wir aufgrund von Erklärungen anderer. Irgendjemand hat uns gesagt, wie es angeblich ist. Doch dieses "angeblich" hat er einfach weggelassen. Niemand hat dir gesagt: "Es wird behauptet, die Erde sei eine Kugel." Alle haben dir gesagt: "Die Erde ist eine Kugel." Und sie haben alle so getan, als wüssten sie es aus erster Hand, als wären sie die Astronauten im All gewesen, die auf die Erde herunter geschaut haben und gesehen haben: "Dort ist sie, die Kugel."

    Und mit diesem Wissen, das wir alle nur durch die Erzählungen anderer aufgenommen haben, identifizieren wir uns. Wir tun so, als wäre es ein Teil von uns. Es ist aber kein echtes Wissen. Es ist eine Überzeugung. Und diese Überzeugung wollen wir nicht loslassen. Wir glauben, sie sei ein Teil von uns und wir haben den Eindruck, als würde uns diese Überzeugung definieren, als würde sie uns ausmachen. Tatsächlich ist das überhaupt nicht der Fall, aber das verstehen die meisten nicht. Und deshalb tun sie so, als wäre es anders. Als wollte man ihnen einen Teil von ihnen selbst wegnehmen, wenn man ihnen eine andere Erklärung für die Welt gibt.

    Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Du kannst das auch ganz einfach überprüfen. Denk doch einfach jetzt einmal: "Ich bin überzeugt, die Erde ist eine Kugel." Und als Nächstes denke den Gedanken: "Ich bin überzeugt, die Erde ist flach." Was hat sich bei dir verändert? Gar nichts. Du bist immer noch hier und du bist immer noch der Gleiche wie vorher. Das Einzige, das sich verändert hat, sind deine Gedanken und deine Gefühle. Und da wir uns mit unseren Gedanken und unseren Gefühlen identifizieren, glauben wir, es hätte sich etwas verändert. Und da der Verstand keine Gefühle beobachten will, gibt es übrigens auch eine Übersprungshandlung.

    Viele Menschen sagen nämlich: "Ach, ist doch total egal, ob die Erde rund oder flach ist." Und das stimmt. Aber es stimmt nicht, wenn dein Verstand eine Abkürzung nimmt und den Gedanken "Die Erde ist flach" nicht denken will. Er will es nämlich nicht zulassen, dass du etwas anderes denkst als das, wovon du überzeugt bist. Und dann will er es beiseiteschieben, als wäre es unbedeutend. Das kannst du immer und mit allem machen. Aber nur dann, wenn es für dich tatsächlich wahr ist.

    Wenn du also tatsächlich keinen Unterschied mehr fühlst, ob du das eine oder das andere denkst. Und die Wahrheit ist: Die meisten Menschen fühlen einen Unterschied. Und das ist sowohl der Grund dafür, warum sie neue alternative Welterklärungsmodelle entweder ablehnen oder sich vollkommen hineinsteigern. Beide Reaktionen verdrängen unsere Gefühle. Könnten wir alternative Welterklärungsmodelle als Gedanke zulassen, würden wir uns sehr wahrscheinlich erst einmal ohnmächtig oder verzweifelt fühlen. Irgendetwas in die Richtung von: im Stich gelassen, belogen, betrogen, vielleicht sogar verraten.

    All diese Gefühle haben überhaupt nichts mit dem aktuellen Moment zu tun. Sie sind nicht dadurch entstanden, dass dir irgendjemand gesagt hat, wie es auch noch sein könnte. Sie sind viel früher entstanden. Und es gibt verschiedene Anlässe, die diese Gefühle wieder bei dir auslösen. Verschwörungstheorien sind ein solcher Anlass. Denn scheinbar stellen sie dich in Frage. Denn das bedeutet ja, dass man dich bisher belogen hat und du darauf hereingefallen bist. So denkt zumindest der Verstand. Es ist aber möglich, dass dich niemand belogen hat. Alle haben selbst daran geglaubt.

    Und es gibt genau zwei Fehler, die man in diesem Moment machen kann. Der erste ist, die neue Theorie abzulehnen. Und der zweite ist, die neue Theorie zu verteidigen. Was du stattdessen tun solltest, ist leicht gesagt und schwer umzusetzen. Du solltest dich darauf einlassen, alle Gefühle zu fühlen, die dann hochkommen, wenn du dich intensiv mit den verschiedenen Erklärungen auseinandersetzt. All diese Gefühle sind nicht dein Feind. Tatsächlich helfen sie dir. Sie helfen dir zu erkennen, dass du weder deine Gedanken noch deine Gefühle bist.

    Das ist kein einfacher und auch kein kurzer Weg. Es kann durchaus ein, zwei Jahrzehnte dauern. Das macht nichts, denn du hast nichts anderes mehr vor. Das ist der einzige Grund, warum du hier bist.