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    7.10.2025AQ 2874
    »Das Verhältnis zum spirituellen Lehrer ist nicht persönlich.«
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    Wenn es einen größten spirituellen Fehler gibt, dann ist es dieser: das Verhältnis zum spirituellen Lehrer persönlich nehmen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Sobald das Verhältnis zum spirituellen Lehrer persönlich ist, nimmst du das persönlich, was er zu dir sagt. Das bedeutet, du beziehst es auf ihn statt auf dich. Du denkst dann zum Beispiel: "Aha, er will es so oder so und nicht so! Seine Vorlieben sind a, b, c. Deshalb darf ich Folgendes bei ihm nicht tun." Und du verstehst nicht, dass es dem spirituellen Lehrer die ganze Zeit nicht darum geht, was er gerne hätte oder wie er gerne behandelt werden würde.

    Ein guter spiritueller Lehrer reagiert immer auf dich. Und er stellt seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche komplett hinten an. Meistens und im besten Fall hat er die gar nicht mehr, vor allem nicht im Kontakt mit seinen Schülern. Die Schüler nehmen es aber noch viel zu oft persönlich. Sie überlegen dann: "Ist der Lehrer jetzt sauer auf mich? Hat er das gesagt, weil er wütend ist?" Und sie projizieren dabei ihre zwischenmenschlichen Wünsche auf den Lehrer. Am liebsten hätten sie es, wenn er sie in den Arm nimmt und tröstet. Doch wenn ein Lehrer diese Rolle einnimmt, dann kann er nicht mehr als spiritueller Lehrer wirken. Zumindest bei jenen nicht, die alles persönlich nehmen.

    Wenn du etwas persönlich nimmst, dann schaust du nach außen: "Ja, aber Stefan, ich bin doch beleidigt und das findet doch in mir statt." Ja, weil du nach außen schaust, weil du die Aussagen des Lehrers persönlich nimmst und so interpretierst, als wäre er dein Freund. Sobald du aber deinen Lehrer zum Freund erhebst, erniedrigst du ihn. Du erniedrigst ihn nicht persönlich, sondern für dich. Und du raubst seinen Aussagen die Kraft.

    Wenn ich solche Regeln in Anführungsstrichen aufstelle, dann klingt das für den Verstand furchtbar. Tatsächlich ist das aber keine Regel. Ich möchte keine Gesetze und Vorschriften erlassen. Ich beschreibe nur das, was mir passiert ist. Und ich beschreibe es, weil ich feststellen muss, dass es den meisten nicht so geht. Und ich kann sehen, dass das dazu führt, dass es nicht wirkt, dass es nicht wirken kann.

    Bei mir gab es keine Regeln, weil ich alles von meinem Lehrer vollkommen akzeptiert habe. Und alles, was ich jetzt als Regel beschreibe und was sich für den Verstand so hart anhört, war automatisch und von Anfang an in mir. Ich musste mir das nicht ausdenken. Ich musste es auch nicht künstlich herstellen. Es war so klar und deutlich in mir, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, es könnte für andere anders sein. Einiges hat jetzt knapp 20 Jahre gedauert, bis ich festgestellt habe, dass es bei anderen anders ist und dass sie größere Hürden haben, als ich sie hatte. Deshalb gebe ich das, was ich erlebt habe, gerne weiter. Auch dann, falls es sich für deinen Verstand hart anhört.

    Tatsächlich ist es viel härter, deinen Lehrer persönlich zu nehmen und dir ein persönliches Verhältnis zu ihm zu wünschen. Das heißt nicht, dass es ausgeschlossen sein muss, aber in den meisten Fällen verhindert es die Wirkung des Lehrers bei dir. Und die spirituelle Wirkung deines Lehrers ist gar nicht hart, sondern sanft. Es ist also viel härter für dich, wenn du es persönlich nimmst und es wird zumindest viel sanfter, wenn du es nicht mehr persönlich nimmst. Wenn du alles auf dich beziehst und dich selbst hinterfragst statt den Lehrer.