Heute gibt es wahrscheinlich kein Zitat, dafür aber eine umso intensivere Erkenntnis. Sie hat sich aus einer Anfrage einer Teilnehmerin ergeben. Sie hat mir Folgendes geschrieben: "Lieber Stefan, du hast im Retreat 'Finanzielle Freiheit' erzählt, dass du ganz viele Dinge im Kopf hast und viele Projekte und viele Ideen und dir die Menschen fehlen." Und dann hat sie mir ihre Hilfe angeboten.
Als ich das mitbekommen habe, ist mir etwas klar geworden, was mir so vorher nicht klar war, obwohl ich es vollkommen lebe: Ich habe keine Hintergedanken mehr. In keinem einzigen Bereich. Und das fällt mir erst jetzt auf, obwohl ich die Hintergedanken so gut kenne. Ich habe früher immer gedacht, ich müsse die Gunst der Stunde nutzen oder die Gunst der Stunde sogar kreieren. Ich hatte immer Hintergedanken. Mein Verstand hat die ganze Zeit mit Assoziationen gearbeitet. Dadurch war ich nie hier. Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie ich das nutzen könnte, was gerade gesagt wird oder was gerade geschieht.
Ich kann also solche Anfragen aus eigener Erfahrung mehr als sehr gut verstehen. Wenn ich dich sehr gut verstehe, dann bedeutet das aber nicht, dass ich dir sehr gut helfe. Ich muss dir bei solchen Anfragen also in die Parade fahren. Erstens natürlich deshalb, weil meine Erzählung im Retreat kein Aufruf ist. Das heißt, weil ich keine Hintergedanken habe. Ich erzähle das, was ich im Retreat erzähle, nicht dazu, damit du mit eigenen Hintergedanken darauf anspringst. Ich habe keine Hintergedanken. Ich habe keine Absichten, die jenseits dessen liegen, was ich sage. Wenn ich Hilfe brauche, dann bin ich in der Lage, das zu artikulieren. Dann würde ich zum Beispiel eine E-Mail schreiben, in der steht, dass ich einen Mitarbeiter suche.
Erstaunlicherweise ist mir gestern klar geworden, dass ich nicht einmal das machen würde. Und das liegt daran, dass ich den heiligen Raum niemals für andere Zwecke als für die Freiheit der Teilnehmer nutzen möchte. Ich vermische meine Arbeit nicht mit anderen Absichten. Und du solltest das auch nicht tun — vollkommen unabhängig davon, ob das private oder geschäftliche Absichten sind. Erst dadurch kann es pur werden. Sobald eine andere Absicht mit reinspielt, ist die Atmosphäre vergiftet. Das ist auch eine Anleitung für dein eigenes Leben. Und genau so und nur so ist alles gemeint, was ich sage. Du kannst es für dich nutzen. Frei von Absichten und frei von Hintergedanken.
Das war übrigens der zweite Punkt, den ich vorhin aufzählen wollte. Ich habe ihn jetzt schon verarbeitet. Ich mache das auch nicht dafür, dass du Hintergedanken hast. Ich bin naiverweise und vollkommen unbewusst wahrscheinlich davon ausgegangen, dass meine Absichtslosigkeit auch für deine sorgt. Das ist sozusagen der Idealfall. Und falls der nicht eintritt, gibt es den heutigen Audioquickie dafür. Nichts von dem, was ich mache und nichts von dem, was ich erzähle, ist als Aufruf an dich gedacht, mir zu helfen. Deshalb stört es mich auch so unfassbar, wenn mir Hilfe angeboten wird.
Das liegt nicht daran, dass ich keine Hilfe annehmen kann. Keine Sorge! Ich kann Hilfe annehmen und ich kann sogar um Hilfe bitten, wenn ich eine brauche. Ich mache das sogar regelmäßig. Aber ich frage nicht dich. Würde ich das tun, wäre ich ein schlechter Lehrer. Früher habe ich das ab und zu noch getan. Ich habe Dinge vermischt und obwohl ich es lange durchgezogen habe, ist es immer schiefgegangen. Es gab aber auch Menschen, die das von sich aus vermischt haben und ich habe es nicht mitbekommen. Dadurch ist mir etwas aufgefallen, was mir so auch nicht klar war.
Ich kann das, aber die meisten Menschen können das nicht. Ich kann Lehrer, Freund und Arbeitgeber sein. Das geht bei mir so weit, dass ich über meine Rollen überhaupt nicht nachdenke. Freunde, Angestellte und Schüler können das nicht. Es hat fast zehn Jahre gedauert, bis ich das vollkommen verstanden habe.
Deshalb kann ich es dir reinsten Herzens empfehlen: Ignoriere deine Hintergedanken.