Spiritualität ist die Erforschung dessen, was du nicht glauben musst. Wenn jemand sagt: "Ich glaube, dass wir spirituelle Wesen sind", dann ist das keine Spiritualität, sondern Glaube. Wenn jemand sagt: "Ich glaube, dass es in der Spiritualität folgendermaßen ist", dann ist das keine Spiritualität, sondern Glaube.
Und es ist deshalb keine Spiritualität, weil er es nicht selbst erforscht hat. Selbsterforschung ist die einzige Möglichkeit für Spiritualität. Etwas zu wissen, weil es alle sagen oder zu wissen, was man sagen darf und was nicht, ist auch keine Spiritualität.
Etwas gelesen zu haben, etwas gehört zu haben, etwas zu wissen, weil man es auswendig gelernt hat — all das ist keine Spiritualität. Nur derjenige, der sich selbst erforscht hat, ist spirituell. Damit ist Spiritualität unabhängig von allem anderen.
Es gibt auch keine Voraussetzung für Spiritualität. Du musst keiner Religion angehören. Es ist egal, was du glaubst.
Es ist auch egal, wovon du überzeugt bist. Es zählt nur, was du erfahren hast. Die Erfahrung ist alles, was zählt.
Im Idealfall die Erfahrung jenseits des Verstandes. Solange du mit dem Verstand identifiziert bist, ist Spiritualität unmöglich. Sobald du den Verstand beobachten kannst, ist Spiritualität eine natürliche Folge und Begleiterscheinung.
Du kannst Spiritualität nicht machen.
Deshalb erreichst du sie nicht durch die richtige Anzahl an Übungen. Jeder Glauben, jede Überzeugung, jede Religion steht deiner Spiritualität im Weg, weil es alles mentale Konstrukte sind. Konstrukte, die nicht deiner eigenen Erfahrung entspringen und deshalb mental sein müssen.
Nur das, was du selbst erlebt hast, ist nicht mental, weil es als Erfahrung in dir abgespeichert ist. Und die Erfahrung ist als Gefühl verankert.
Deshalb musst du an sie nicht glauben, du musst von ihr auch nicht überzeugt sein, du kannst jederzeit wieder auf sie zurückgreifen. Wir sind so sehr trainiert darauf zu glauben und überzeugt zu sein, dass wir die Welt unserer tatsächlichen Erfahrung überhaupt nicht mehr mitbekommen.
Unser Verstand versucht die ganze Zeit etwas daraus zu machen. Dabei ist es ja bereits! Er kann einfach nicht verstehen, dass seine rationale Welt nicht die echte Welt ist.
Das ist nichts gegen die rationale Welt, die ist vollkommen in Ordnung. Aber wir sind in sie eingezogen, als gäbe es keine andere. Entgegen der üblichen Unterteilung ist die rationale Welt übrigens nicht das Gegenteil der Fantasiewelt.
Die rationale Welt, also die Welt der Gedanken, des Glaubens und der Überzeugungen, findet ebenfalls nur in unserer Fantasie statt. Und Spiritualität hat mit Fantasie nichts zu tun. Du brauchst nicht glauben und nicht hoffen, du musst nicht überzeugen und du musst nicht überzeugt sein, um spirituell zu sein.
Wenn du spirituell bist, kommst du in deiner echten Welt an, in der Welt, die du tatsächlich erlebst. Und du kommst dort an, wo du tatsächlich erlebst und du erlebst es nicht in Gedanken, sondern du erlebst es so, wie es tatsächlich ist. Du erlebst, dass du auf äußere Einflüsse mit inneren Körperempfindungen reagierst und du realisierst, dass diese Reaktionen Automatismen sind, die in deiner Kindheit angelegt wurden.
Wenn du von diesen Reaktionen unabhängig werden willst, ist der Weg nicht raus, sondern rein. Dort findest du die Welt jenseits des Glaubens.