Der Verstand arbeitet assoziativ. Er sagt dir, was du kennst und er sagt dir, wie man es nennt. Darauf ist er dann richtig stolz, dass er dir das sagen kann. In der Spiritualität geht es aber nicht darum, ob du es kennst und ob du dem einen Namen geben kannst. Es geht darum, ob es Teil deiner gelebten Praxis ist oder nicht. Wenn es Teil deiner gelebten Praxis ist, dann kennst du es wirklich und dann ist es egal, wie man es nennt. Und wenn du es wirklich lebst und erlebst, dann weißt du gar nicht, ob die anderen, die dafür das gleiche Wort wie du verwenden, das Gleiche meinen.
In den letzten Jahren haben zum Beispiel viele Menschen das Wort "Erwachen" verwendet. Die meisten davon meinen das Erwachen zu Informationen. Ihnen ist zum Beispiel klar geworden, dass wir verarscht werden, dass das, was in den Medien berichtet wird, nicht die Wahrheit ist. Sie meinen damit aber die weltliche Wahrheit und sind nicht zu ihren Emotionen erwacht. Ihnen ist nicht klar geworden, dass sie sich selbst über Emotionen steuern und deshalb auch von anderen über Emotionen steuerbar sind. Die meisten davon hatten auch kein Satori und keine Herzöffnung und meinen deshalb mit dem Wort "Erwachen" etwas vollkommen anderes als jene, die eine Erfahrung in diesem Bereich hatten.
An dieser Stelle wird die ganze Sache noch etwas komplizierter, denn eine Erfahrung kannst du nicht praktizieren. Eine Erfahrung hast du. Du machst eine Erfahrung, ohne sie zu machen. Eine Erfahrung geschieht dir. Und der Verstand lenkt dich davon ab, dich näher damit zu beschäftigen, indem er dir sagt, wie man etwas nennt und dass du das kennst. Deshalb liebt er auch schlaue Sprüche, da er damit weise erscheinen kann. Er glaubt, den Spruch verstanden zu haben und meint deshalb, er könne ihn herumposaunen. Zwischen Verstehen und Erleben ist aber ein riesengroßer Unterschied. Verstehen funktioniert über Assoziationsketten, über Vergleiche. Wenn du es dann erlebst, ist es etwas vollkommen anderes, als du bisher immer gedacht hast.
In der Spiritualität lohnt es sich, genau nachzuschauen, wann dein Verstand plappert und wann er tatsächlich von deiner eigenen Erfahrung spricht. Solange er plappert, hält er dich von der Erfahrung ab. Das Plappern des Verstandes kannst du nicht aufhalten, aber du kannst dich ihm zuwenden oder dich von ihm abwenden. Wenn du dich abwendest, ist das keine Garantie dafür, dass du die Erfahrung machst, aber zumindest kann er dir nicht mehr im Weg stehen.
Deshalb ist es mir egal, ob du es kennst und wie du es nennst. Mich interessiert nur, ob dir dein Verstand im Weg steht.