Es ist unser Kampf gegen das Versagen, der uns müde macht. Unsere Auflehnung erschöpft uns. Sobald du ehrlichen Herzens dir selbst gegenüber eingestehen kannst: "Ja, ich habe versagt", entspannt sich was in dir. Sobald du in dieser Entspannung lebst, falls du mal wieder versagt hast, wirst du auch feststellen, dass du viel mehr lernst, wenn du versagst. Solange dich dein Verstand mit dem Gedanken "Ich habe versagt" quälen und foltern kann, kann dir das Geschenk des Versagens überhaupt nicht auffallen. Den Vorwurf deines Verstandes "Du hast versagt" solltest du ab sofort nie wieder ignorieren oder verdrängen. Gib es einfach zu: "Ja, ich habe versagt." Morgen kannst du erneut versagen. Es ist wirklich und ganz ehrlich kein Problem.
Selbstverständlich werden auch Verstände von anderen kommen und dir sagen, dass du versagt hast. Auch das macht nichts. Erstens geht es sie überhaupt nichts an, zweitens kannst du es auch ihnen gegenüber zugeben: "Ja, da habe ich versagt. Ich habe es nicht geschafft. Ich habe es nicht hinbekommen." Das ist ehrlich und das ist authentisch. Allerdings nur dann, wenn du nicht trotzig bist. Wenn du es im Widerstand und aus Trotz sagst, dann ist es nicht echt. Dann sagst du es nur, damit du deine Ruhe hast. Du sagst es, um den anderen zu manipulieren. Und deshalb kann es nicht funktionieren. Es soll nämlich nicht für den anderen funktionieren, sondern für dich. Es geht nicht darum, dass der andere entspannt oder von dir ablässt. Es geht darum, dass dein eigener Verstand entspannt und von dir ablässt.
Deinen eigenen Verstand kannst du weder bekämpfen noch austricksen. Das ist der Vorteil aller innerer Arbeit. Du merkst es sofort, wenn du beginnst, dich selbst zu verarschen. Wenn du es nicht merkst, ist es keine innere Arbeit. Dann nutzt du Spiritualität nur als weiteren Verdrängungsmechanismus. Auch das macht nichts. Das kennt jeder. Und irgendwann fällt es dir auf. Sobald es dir auffällt, bist du wieder authentisch dir selbst gegenüber. Sobald es dir auffällt, dass du dich selbst stresst, indem du Perfektion von dir erwartest und sobald du auch merkst, dass diese Perfektion nicht erreichbar ist, weil der Verstand immer und immer wieder etwas Neues findet, was du besser machen könntest, beginnt deine Heilung. Und hier kommt ein sehr verrückter Widerspruch. Das bedeutet nämlich überhaupt nicht, dass du nie wieder versuchen darfst, etwas gut, richtig, schön und sogar perfekt zu machen.
Ich spreche immer für die Bedeutung hinter den Worten. Und sobald dich Perfektion nicht mehr stresst, kannst du sie zelebrieren. Dabei bist du dann aber in einem vollkommen anderen Zustand als früher, als dich dein Verstand mit dem Anspruch an Perfektion noch gestresst hat. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, diese gesamte Entwicklung nach innen zu leben. Denn wenn du außen damit beginnst, wird immer etwas sehr Schräges daraus. Vor allem dann, wenn du es auf Kosten anderer machst. Da schnappt sich dann einfach dein Ego dieses Zitat, um es sich selbst bequem einzurichten. Und praktischerweise hat es dafür dann eine spirituelle Begründung.
Alle meine Hinweise funktionieren nur, wenn du es ohne Netz und doppelten Boden, also nicht auf Kosten anderer machst. Wenn du es für dich machst, ist Versagen überhaupt kein Problem. Dann kannst du den Kampf gegen das Versagen einfach aufgeben.