Es wird oft behauptet, dass Kommunikation das Wichtigste sei. Tatsächlich ist Verständnis das Wichtigste. Ohne Verständnis hat die beste Kommunikation überhaupt keinen Wert. Verständnis ist aber etwas vollkommen anderes, als wir in der Regel denken. Wir glauben, wir müssten den anderen oder das Thema rational verstehen. Das notwendige Verständnis, das Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation ist, ist aber ein ganz anderes Verständnis.
Manche sagen "Empathie" oder "Einfühlungsvermögen" dazu und verwenden auch diese beiden Worte wieder falsch. Denn erstens kannst du Empathie und Einfühlungsvermögen vom anderen nicht einfordern, wenn es bei ihm nicht von vornherein da ist. "Du solltest ein bisschen empathischer sein" ist die dümmste Forderung, die es gibt. Denn wo keine Empathie ist, da kann sie nicht mit Druck eingefordert werden.
Außerdem gibt es eine Form der Empathie — und das ist die häufigste und weitverbreitetste — die überhaupt nicht hilfreich ist. Bei dieser Form fallen Menschen ins Mitleid. Mitleid ist keine Empathie. Im Mitleid bist du selbst in der Geschichte gefangen. Dasjenige Verständnis oder diejenige Empathie, die ich meine, ist eine vollkommen andere. Sie geht mehr in die Richtung: "Wenn du etwas aus eigener Erfahrung sehr gut kennst" — und dann kommt aber schon wieder eine Einschränkung — "und dabei nicht überheblich bist." Wenn diese Form von Verständnis oder Empathie und Einfühlungsvermögen nicht vorhanden ist, dann ist Kommunikation von vornherein ausgeschlossen.
Man erzählt sich dann zwar gegenseitig irgendwelche Worte, aber der beabsichtigte Austausch von Kommunikation findet überhaupt nicht statt. Es kann gar keine neuen Erkenntnisse geben, weil die Fronten verhärtet sind. Und das gilt nicht nur für Streit. Die Fronten können auch in einem ganz normalen Gespräch dadurch verhärtet sein, dass die Empathie, das Einfühlungsvermögen oder das Verständnis fehlt.
Wenn Empathie und Verständnis auftauchen, dann ist das für denjenigen, bei dem sie auftauchen, ein Aha-Moment. Er merkt: "Jetzt habe ich etwas in der Tiefe verstanden." Und diese Tiefe ist nicht rational, sondern emotional. Er hat etwas gefühlt. Und dieses Gefühl verbindet die Gesprächspartner in der Kommunikation. Es ist ein Gefühl, das auch entsteht, wenn man sich selbst im anderen erkennt. Das ist sogar unabhängig davon, ob das positiv oder negativ ist. Denn dieses Erkennen sorgt für Verbindung. Eine Verbindung, die fühlbar ist und die rational nicht erklärt werden kann. Und weil uns dieses Gefühl so oft fehlt, versuchen wir so viel zu kommunizieren. Wir versuchen es zu erklären, bis es der andere endlich versteht. Und wir meinen wirklich, wir könnten das dadurch erreichen, dass wir auf den anderen einreden.
Dabei ist dieses Gefühl entweder ein Geschenk oder eine Fähigkeit. Wenn es ein Geschenk ist, dürfen wir nicht ungeduldig sein, falls es nicht hier ist. Und wenn es eine Fähigkeit ist, dann können wir sie zum Vorteil aller einsetzen.