Das heutige Zitat hat zwei Seiten: die des Hilfsbedürftigen und die des Helfers. Die Seite des Helfers wird dabei nur allzu leicht übersehen. Alles, was jemand anders für dich übernimmt, macht deins überflüssig.
Damit meine ich sowohl deinen Beitrag für dein eigenes Leben und für das Leben der anderen. Wenn andere für dich alles Wesentliche in deinem Leben übernehmen, dann erziehen sie dich zur Unselbstständigkeit. Du wirst durch die Hilfe der anderen nicht unabhängig und selbstständig, sondern abhängig und unselbstständig.
Selbst die bestgemeinteste Hilfe wird entweder zu einer komfortablen Hängematte, in der du dich ausruhst, oder zu einer Last, die dich erdrückt. Die einzige hilfreiche Hilfe ist die Ermunterung, etwas zu wagen. Denn die unterentwickelste Fähigkeit bei allen Hilfsbedürftigen ist die Fähigkeit, etwas Neues auszuprobieren.
Und bevor dein Verstand jetzt durchdreht: Ich meine damit diejenigen, die körperlich und geistig nicht eingeschränkt sind beziehungsweise nur durch Programmierung eingeschränkt sind.
Alle anderen brauchen tatsächlich Hilfe und da stellt sich die Frage: Wie soll die organisiert werden? Durch einen Sozialstaat, der alle dazu zwingt zu helfen oder durch freiwillige Helfer? Wenn dich der Staat dazu zwingt zu helfen, dann geschieht auf subtile Art und Weise etwas sehr Destruktives, das kaum auffällt.
Denn immer, wenn du zur Hilfe gezwungen wirst, wird dein eigenes Engagement und deine Selbstverpflichtung überflüssig. Und deshalb wollen viele nicht mehr helfen. Sie denken sich: "Ich habe ja schon geholfen.
Ich habe meinen Beitrag bereits geleistet. " Und so überlassen wir die Hilfe anderen. Wir vertrauen ihnen, dass sie es richtig machen und negieren dabei die individuelle Art und Weise unserer eigenen Hilfe.
Zentralisierte Hilfe ist immer vereinheitlicht und alles wird über einen Kamm geschoren. Der individuelle Aspekt der Hilfe wird dabei komplett eliminiert. Bei diesem zwischenmenschlichen Aspekt geht es ja um beide Seiten, sowohl die Seite des Hilfsbedürftigen als auch die Seite des Helfers.
Denn durch Hilfe geschieht etwas in dir. Durch Hilfe verändert sich etwas in dir. Durch Wohlfahrt und Sozialstaat wird das delegiert.
Deine eigene Erfahrung kannst du aber nicht delegieren, die kann niemand für dich machen. Selbst wenn dir derjenige, an den du delegiert hast, anschließend erzählt, wie es ihm dabei ging, ist das nicht deine Erfahrung. Mit der Zentralisierung der Hilfe nehmen wir uns also die Erfahrung von Hilfe und ein paar wenige müssen dann sehr viel helfen und alle anderen beteiligen sich höchstens finanziell.
So sind diejenigen, die tatsächlich noch helfen, komplett überfordert und alle anderen von der Hilfe entfremdet. Ich möchte dich ermutigen, die Wohlfahrt und den Sozialstaat wieder in deine eigenen Hände zu nehmen. Bedenke dabei, dass es nicht um die Größe der Hilfe geht, sondern um die Rückeroberung eines Lebensbereichs, der dir genommen wurde.
Biete Hilfe an und bitte um Hilfe. Beides gehört zusammen. Und um deinen Verstand endgültig zu verwirren, muss dein Angebot überhaupt nicht kostenlos sein.