Wenn wir ein Ziel erreichen wollen, dann verbinden wir mit der Erreichung dieses Ziels die Idee einer ganz bestimmten Erfahrung. Dieser Vorgang ist meistens vollkommen unbewusst. Wäre er uns bewusst, könnten wir ihn überprüfen und wir würden erkennen, dass wir die Ziele überhaupt nicht brauchen. Ein erreichtes Ziel hat immer nur eine ausgedachte, rein hypothetische Bedeutung. Denn die Idee des erreichten Ziels ist nicht die Erfahrung selbst. Die Erfahrung ist der Weg dorthin und die Ankunft am Ziel ist extrem kurz.
Der Grund, warum wir uns am Ziel kurz gut fühlen, liegt nicht darin, dass wir das Ziel erreicht haben und dass es ein schönes Ziel ist. Der Grund für unsere Freude, wenn wir am Ziel angekommen sind, liegt darin, dass der Verstand kurz schweigt. Er hat für einen kurzen Moment keine Aufgabe mehr. Und der einzige Grund, warum das Sprichwort "Ein erfüllter Wunsch gebiert sieben neue" vollkommen korrekt ist, liegt daran, dass der Verstand nach kurzer Zeit wieder nach Aufgaben sucht. Er möchte dich und sich beschäftigen. Er selbst möchte beschäftigt sein. Und er sucht diese Ziele vorzugsweise im Widerstand zu deiner aktuellen Situation.
Dieser Widerstand hat überhaupt nichts mit deiner Situation zu tun, denn du kannst mit jeder Situation im Widerstand sein. Irgendetwas passt immer nicht. Der Widerstand hat also nichts mit deiner Situation zu tun, aber alles mit deinem Ego. Wir sind auf Widerstand programmiert. Ohne Ego hat kein Ziel Bestand. Frei von Ego genießt du den Weg, nicht das Ziel. Du genießt, dass du etwas zu tun hast und du tust es mit Freude. Du tust es sogar dann mit Freude, wenn du das Ziel nicht erreichst.
Keine Ziele mehr zu haben oder zumindest von Zielen nicht mehr getrieben zu sein, bedeutet überhaupt nicht, dass du nichts mehr tust. Ganz im Gegenteil! Es bedeutet, dass du in deinem Tun aufgehst. Du machst es gerne, bist dabei nicht im Widerstand und freust dich darüber, dass du etwas tun kannst. Du zählst nicht mehr die Minuten bis zur Mittagspause oder bis zum Feierabend. Du zählst nicht die Stunden bis zum Wochenende und du zählst nicht die Tage bis zum Urlaub. Die Zeit verschwindet aus deinem Leben.
Falls dein Verstand noch stressige Ziele kreiert, fällt dir die Absurdität dessen auf. Denn du weißt es jetzt aus eigener Erfahrung, weil du dich beobachtet hast. Du weißt, dass dich der Weg zum Ziel viel mehr erfüllt als die Erreichung des Ziels. Und je bewusster du bei diesem Prozess bist, desto mehr realisierst du, dass dich die Erreichung des Ziels überhaupt nicht erfüllt. Denn wenn der Verstand auf dem Weg zum Ziel schon still war, dann kann er am Ziel nicht noch stiller werden.