Alles, was du jemals gelernt hast, ist mit dem verbunden, was du dabei erlebt hast. Es gibt nichts, das du gelernt hast und das unabhängig von dem ist, was du dabei erlebt hast. Und da dein Erleben mit Gefühlen verbunden ist, ist alles, was du kannst, mit Gefühlen verbunden.
Die meisten Menschen sind fest überzeugt davon, dass Gelerntes rational abgespeichert sei. Doch tatsächlich ist alles über Gefühle abgespeichert. Und zwar sowohl über gute Gefühle als auch über schlechte Gefühle.
Da du nie nichts erlebst, kannst du auch nie nichts lernen. Wenn Menschen keine Lust mehr haben, etwas Neues zu lernen, dann sind sie von ihren Gefühlen abgeschnitten. Sie glauben, sie könnten Gefühle vermeiden, indem sie Lernen und Erleben vermeiden.
Was sie tatsächlich verdrängen wollen, sind die Gefühle, die sie hatten, als sie früher etwas gelernt haben. Ihr Erleben, während sie früher etwas gelernt haben, war so negativ und hat derart schlechte Gefühle ausgelöst, dass sie diese Gefühle nie wieder haben wollen.
Sie sind erst dann wieder in der Lage, etwas Neues zu lernen, wenn sie bereit sind, ihre Gefühle wahrzunehmen. Solange sie sich selbst von ihren Gefühlen abschneiden, werden sie nicht in der Lage sein, etwas Neues aufzunehmen. Diejenigen, die sich mit Lernen leichttun und immer noch in der Lage sind zu lernen, werden das alles sehr wahrscheinlich nicht verstehen.
Aber diejenigen, die nicht mehr bereit sind, etwas Neues zu lernen oder die sich schwertun, wissen ganz genau, was ich meine. Sie wissen, dass sie seit Jahrzehnten versuchen, den Druck, den sie früher beim Lernen gefühlt haben, zu vermeiden. Und falls ihnen bei diesem Zitat noch kein Licht aufgegangen ist, dann dämmert es ihnen jetzt gerade.
Sie bekommen eine leise Ahnung davon, was gemeint ist. Natürlich versuchen sie, ihr Trauma immer noch zu unterdrücken. Ihr Schmerz während des Lernens war wirklich enorm.
Und deshalb ist ihr Widerstand gegenüber neuem Erleben und neuem Lernen so groß.
Deshalb bringt ihnen auch keine Motivation dieser Welt — und sei sie auch noch so groß — jemals irgendetwas. Denn selbst die größte Motivation kämpft immer noch mit den alten Traumata. Und die alten Traumata sind Gefühle, die sie nie wieder fühlen wollten.
Deshalb ist Motivation zwar so attraktiv, aber gleichzeitig so wenig wirksam. Sie hält immer nur ein paar Augenblicke, vielleicht sogar ein paar Tage oder Wochen. Doch danach drängt das Alte an die Oberfläche, weil es die Grundlage der Erinnerung ist.
Wir wollen Neues lernen, während wir die Grundlage der Erinnerung, nämlich altes Gelerntes, verdrängen. Ein Mensch, der sich nicht erinnern kann oder will, kann auch keine neue Erfahrung machen. Er muss die alte Erfahrung so lange wiederholen, bis er bereit ist, sich an seinen tiefsten Schmerz zu erinnern.
Alles andere ist Fassadenkosmetik. Neue Erfahrungen sind erst möglich, wenn du die alten Erfahrungen integriert hast.