Es ist in den meisten Fällen viel einfacher und effizienter, Unannehmlichkeiten hinzunehmen, als zu versuchen, sie zu vermeiden. Denn irgendeine Art von Unannehmlichkeit oder unerwünschter Situation wirst du immer erleben. Nur in der verrückten Welt des Verstandes ist es möglich, Eventualitäten vorher auszuschließen.
Es spricht natürlich nichts gegen Vorbereitung und Training, doch irgendwann musst du es tun und erst dann zeigt sich, ob du gut oder schlecht vorbereitet bist. Je nach Art deiner Unternehmung macht es natürlich auch Sinn, dich bei bestimmten Anlässen intensiver vorzubereiten. Allerdings neigen wir dazu, jede Unternehmung und jede Vorbereitung darauf, wie die Vorbereitung auf die Besteigung des Mount Everest handzuhaben. Die meisten Vorbereitungen könnten wir extrem stark abkürzen.
Das ist übrigens eine Qualität vieler Unternehmer und Selbstständiger, vor allem dann, wenn sie erfolgreich sind. Sie planen nicht, sie unternehmen etwas und aufgrund dessen, was sie bei dieser Unternehmung lernen, passen sie ihre Planung für die nächste Unternehmung an. Sie warten nicht, bis alles perfekt geplant ist. Sie gehen los und sind sogar auf dem Weg bereits bereit, sich an verändernde und unvorhergesehene Situationen anzupassen.
Es gibt Menschen, die wollen alles lernen, bevor sie es tun. Dabei lernst du am besten, während du es tust. Die Praxis übertrifft jede Theorie. Jeder Ingenieur weiß das. Erst gibt es die korrekten Berechnungen und dann das, wie es in der Praxis funktioniert. Manchmal funktioniert es ganz ähnlich wie berechnet und manchmal liegen zwischen Berechnung und Praxis Welten. Und erst aufgrund der Praxis findest du heraus, was du bei der Berechnung übersehen hast. Behauptet, gezeigt und verkauft wird es uns aber anders. Es wird uns immer gesagt, dass wir alles vorbereiten müssten und könnten. Das stimmt nie! Wir können viel vorbereiten, von dem dann die Hälfte nicht gebraucht wird, aber wir sind nie auf alle Eventualitäten vorbereitet. Und deshalb können wir uns nie auf alles vorbereiten.
Die Energie, die in die Vermeidung aller Eventualitäten und Unannehmlichkeiten fließt, könnten wir in unserer gelebten Praxis viel besser einsetzen. Wir könnten sie für die Feinjustierung nach der praktischen Erfahrung verwenden. Und wir könnten sie dafür verwenden, die Welt so kennenzulernen, wie sie tatsächlich ist, statt uns auf eine Fantasiewelt vorzubereiten, die überhaupt nicht existiert. Denn unsere Fantasiewelt ist geprägt von Angst. Wir gehen nicht vom Positiven aus. Wir haben Angst, dass etwas passieren könnte. Sonst bräuchtest du gar keine übertrieben lange Vorbereitung!
Wenn du keine Expedition planst, dann plane so kurz und so wenig wie möglich. Es ist viel einfacher, Unannehmlichkeiten auf dem Weg hinzunehmen, als zu versuchen, sie zu vermeiden. Denn der Drang, Unannehmlichkeiten zu vermeiden, verhindert, dass du beginnst.