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    26.8.2025AQ 2832
    »Es gab noch nie einen Herrscher, der irgendetwas richtig gemacht hat.«
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    »Es gab noch nie einen Herrscher, der irgendetwas richtig gemacht hat.«

    Es gab aber auch noch nie einen Untertan, der irgendetwas richtig gemacht hat. Ein Herrscher, der etwas richtig macht, ist keiner mehr, denn er lehnt es ab, über andere zu bestimmen. Und ein Untertan, der etwas richtig macht, ist ebenfalls keiner mehr, denn er lehnt es ab, dass über ihn bestimmt wird.

    Weder die Herrscher noch die Untertanen wollen ihren Drang zu herrschen oder beherrscht zu werden genauer untersuchen. Bei den meisten scheitert es aber nicht an der Lust, sondern an der Fähigkeit. Denn Herrschaftsglaube entsteht durch Trauma. Und daraus ergibt sich die Idee der Normalität, dass es einfach so ist, dass es gar nicht anders geht. "Es wird immer Herrscher und immer Beherrschte geben", so die Idee.

    Diese Idee existiert so lange, bis man bereit ist, sich selbst zu ändern, sich selbst genauer kennenzulernen. Vor allem das, was im Schatten verborgen ist. Denn dieser sogenannte Schatten, also das, was wir nicht sehen wollen und deshalb auch nicht sehen können, sorgt dafür, dass wir herrschen und beherrscht werden wollen. Denn tatsächlich geht das meistens Hand in Hand.

    Das klingt seltsam widersprüchlich und das ist es auch, denn genau dadurch entsteht Trauma. Trauma ist ein integrierter Widerspruch. Wir leben vielleicht nur einen Aspekt davon aus, doch tatsächlich sind beide in uns. Einen der beiden Aspekte unterdrücken wir oder wir verbergen ihn vor der Sicht der anderen.

    Du hast bestimmt schon einmal davon gehört, dass Männer in Machtpositionen zu einer Domina gehen. Öffentlich demonstrieren sie Macht und privat lassen sie sich erniedrigen. Rational betrachtet macht das überhaupt keinen Sinn. Aus der Sicht von Trauma als widersprüchliche Programmierung macht es vollkommen Sinn. Es geht immer um den Wettstreit der Pole. Der eine Pol existiert ohne den anderen nicht.

    Deshalb gibt es natürlich auch die umgekehrten Beispiele: Der staatstreue Ehemann, der brav seine Steuern zahlt und zu Hause seine Frau schlägt. Oder die Mutter, die höchsten Respekt oder sogar Angst vor der Polizei hat und zu Hause ihren Frust an ihren Kindern oder den Haustieren auslässt.

    Jeder lebt es dort aus, wo es für ihn möglich ist. Niemand macht das bewusst absichtlich. Jeder lebt das als Teil seiner Persönlichkeitsstruktur. Und jeder, der das erkannt hat, kann es nicht mehr zu hundert Prozent leben. Vielleicht braucht es ein paar Jahre, bis sich bestimmte Verhaltensweisen verflüchtigen, doch der erste Riss im Trauma durch Selbsterkenntnis ist bereits die entscheidende Veränderung. Ab diesem Moment gibt es keinen Grund mehr, auf andere zu warten oder Veränderung von anderen zu erwarten.

    Man erkennt den Herrscher und den Beherrschten in sich selbst. Man erkennt sie nicht als theoretische oder hypothetische Rolle in sich, man erkennt sie in seinen Gefühlen und Handlungen. Man erkennt, was man tut. Und man erkennt, dass man es aufgrund von Gefühlen tut.

    Gefühle, die man sein ganzes Leben lang verdrängt hat, Gefühle, die dafür gesorgt haben, dass man zum Herrscher und zum Beherrschten wurde, Gefühle, die dafür gesorgt haben, dass wir die jeweilige Rolle am anderen ausleben. Denn nicht nur der Herrscher lebt seine Rolle am Beherrschten aus, der Beherrschte lebt seine Rolle auch am Herrscher aus. Beide sind Opfer und Täter gleichzeitig, Opfer und Täter aus ihrer eigenen Programmierung heraus.

    Statt das bei anderen zu untersuchen, genügt es vollkommen, wenn du es bei dir untersuchst. Denn dadurch unterbrichst du den Kreislauf deines Traumas. Die anderen unterbrechen ihren Kreislauf dann, wenn sie dafür bereit sind.