»Die Gerechtigkeitskrieger sind keine. Sie kontrollieren sich gegenseitig.«
Die Gerechtigkeits- und Gleichbehandlungskrieger simulieren ihre guten Absichten lediglich. Unter ihrem Streben nach Gerechtigkeit liegt der Wunsch nach Kontrolle. Während sie vorgeben, es ginge ihnen um Gerechtigkeit und Gleichbehandlung, wollen sie die anderen überwachen und kontrollieren. Es geht ihnen nicht um eine gerechte Behandlung von allen. Es geht ihnen um Macht. Und dem Streben nach Macht liegt immer Ohnmacht zugrunde.
Es sind also die Ohnmächtigsten, die am meisten nach Gerechtigkeit streben. Ein Mensch, der keine Ohnmacht fühlt, hat überhaupt nicht das Bedürfnis, gleich und gerecht behandelt zu werden. Er hält es nicht nur aus, er kommt sogar vollkommen gut damit klar, dass die Welt oder die Menschen weder gerecht noch gleich sind. Er ist mit sich selbst und der Welt derart im Frieden, den sich Ohnmächtige im Leben nicht vorstellen können.
Der Idee der Verpflichtung anderer für meine Ziele liegt tiefe Ohnmacht zugrunde und nur meine Unfähigkeit, diese Ohnmacht zu fühlen, sorgt dafür, dass ich andere zu irgendetwas zwingen will. Ich möchte ihnen mein Konzept von einer gerechten Welt überstülpen. Und dabei kann ich nicht einmal realisieren, dass diese Welt gar nicht gerecht wäre. Ich würde nur dafür sorgen, dass anderen etwas weggenommen wird, was ich selbst gerne hätte. Und da ich mich das selbst natürlich nicht traue, würde ich andere damit beauftragen, ihnen das wegzunehmen.
Das ist also eine immense Gewaltspirale, während ich die ganze Zeit behaupten kann, ich sei für Frieden und Gerechtigkeit. Dabei bin ich mit keinem einzigen Aspekt meiner selbst in Frieden. Weder mit meiner Ohnmacht noch mit meinem Neid und auch nicht mit meiner Aggression anderen gegenüber. Ich bin überhaupt nicht friedlich, versuche es aber so zu verkaufen. Und deshalb gelingt das auch niemals. Deshalb funktionieren diese Konzepte nicht. Denn es wäre so einfach, dass für alle gesorgt ist. Aber das müsste auf vollkommen freiwilliger Basis stattfinden. Sobald irgendwo auch nur ein klitzekleiner Zwang existiert, funktioniert es nicht mehr.
Der Grund dafür ist noch nicht einmal der Zwang. Der Grund dafür ist, dass diejenigen, die gezwungen werden, fühlen können, dass die Argumente ein Vorwand sind, ein Vorwand für tiefer liegende Gefühle, die nicht angesprochen werden. Und hauptsächlich werden sie natürlich deshalb nicht angesprochen, weil sie unbewusst sind. Diese Unbewusstheit kann aber auch nicht von außen aufgelöst werden. Versuch mal einem Unbewussten zu erklären, dass er unbewusst ist oder einem Ohnmächtigen, dass er sich ohnmächtig fühlt! Da wird der richtig sauer und das sogar zu Recht. Es ist nämlich nicht deine Aufgabe, ihn darauf hinzuweisen.
Deine Aufgabe ist es, deine Erkenntnisse für dich zu leben. Damit ist jeder genügend beschäftigt. Es gibt dann keinen Menschen, der behaupten könnte, ihm sei langweilig oder er hätte nichts zu tun. Und wenn du das lebst, dann bist du ganz automatisch ein leuchtendes Beispiel. Und das sogar ohne zu erwähnen, was du machst und wie du es machst.
Den Extremisten, also all jenen, die es extrem intensiv ablehnen, ihre eigenen Gefühle zu fühlen, wirst du niemals helfen können. Sie müssen die Überwachung so lange ausbauen, bis ihre Ohnmacht endgültig zutage tritt. Erst dann merken sie, dass sie die Überwachung und die Kontrolle auch nicht glücklich macht. Dann werden sie auch erkennen, dass sie noch nicht einmal durch Gleichheit und Gerechtigkeit glücklich werden.
Sie werden realisieren, dass die Freiheit tatsächlich in der Vielfalt liegt. Eine Vielfalt, die nicht vorgegeben ist und nicht kontrolliert wird. Bis dahin werden sie Vielfalt mit Konformität verwechseln. Und sie werden dafür in den Krieg ziehen. Davon kann und sollte sie niemand abbringen.