»Du kannst mir überlassen, was ich mache, weil ich dir überlasse, was du machst.«
Lediglich ein an Gewalt gewöhnter Verstand kann solche Aussagen verzerren und ins Absurde führen. Denn ein an Gewalt gewöhnter Verstand sieht außerhalb von sich Gewalt. Er kann sich den entspannten Frieden dieses Zitats nicht vorstellen. Er behauptet dabei, dass er sich den dafür notwendigen Frieden von anderen nicht vorstellen kann, doch in Wahrheit kann er den dafür notwendigen Frieden selbst nicht aufbringen. Er ist überzeugt davon, dass er untergeht, falls er aufhört zu kämpfen und sogar, falls er aufhört, sich die anderen als gewalttätig vorzustellen.
Verrückterweise hat er damit sogar recht: Es wäre sein Untergang. Er hätte dich und dein Leben nicht mehr im Griff. Es wäre also so, wie es schon immer war, nur ohne die Einbildung deines Verstandes, dass er dein Leben im Griff hätte. Es würde also gar nicht viel wegfallen. Es würde auch nicht sofort komplett anders werden. Du würdest lediglich realisieren, wie es schon immer ist. Und wenn du das realisierst, dann musst du das heutige Zitat überhaupt nicht mehr umsetzen. Du würdest es sofort leben, weil alles andere absurd erscheint.
Es erscheint dir als vollkommen absurd, wenn sich ein anderer versucht, in dein Leben und in deine Entscheidungen einzumischen. Du hast dann gar nicht mehr den Drang, dich zu verteidigen, weil du merkst, dass selbst die Verteidigung absurd wäre. Gleichzeitig verlierst du jegliches Interesse, dich in das Leben der anderen einzumischen. Dein Drang, dich in das Leben der anderen einzumischen, ist einfach komplett verflogen. Und damit geht einher, dass du außerhalb von dir nicht mehr so viel Gewalt siehst wie früher. Und das, obwohl du sie immer noch sehen kannst.
Das ist der Punkt, der in der Spiritualität vollkommen falsch interpretiert wird. Du musst es dir nicht schönreden und du solltest es dir auch nicht schönreden. Es muss von innen kommen und wenn es nicht von innen kommt, sondern von deinem Verstand, dann hat es keinen Wert. Wenn es von innen kommt, kannst du es sehen. Du kannst auch hinschauen. Du kannst dich aber auch genauso gut entscheiden, nicht mehr hinzuschauen. Wo du etwas tun kannst, wo du wirklich helfen kannst, kannst du etwas tun. Und dein Verstand kann dich nicht mehr damit quälen, dass du zu wenig getan hast.
Du fällst in Frieden mit der Welt, wie sie ist, nicht wie du sie gerne hättest und auch nicht damit, wie sie aus der Sicht von anderen sein sollte. Du brauchst jetzt nicht mehr unterscheiden zwischen: "Das ist deins!" und "Das ist meins!", weil du dich gar nicht mehr einmischen willst. Und genauso wenig lässt du dir dreinreden.
Dazu ist es überhaupt nicht notwendig, dass du unfassbar rebellisch bist. Diese Rebellion wird überhaupt nicht mehr benötigt. Du musst aber auch nicht künstlich sanft sein. Auch das wird nicht benötigt. Diese Pseudo-Sanftheit entlarvt jeden Pseudo-Spirituellen. Es ist gespielt bis geheuchelt.
Echt ist es, wenn du mir überlassen kannst, was ich mache, weil ich dir überlasse, was du machst.