»Anarchie ist kein gesellschaftlicher Weg, sondern ein spiritueller. Es ist die Rückkehr zu dem, wie du von Anfang an bist.«
Spiritualität ist die Rückkehr zur Anarchie. Damit ist nicht diejenige Anarchie gemeint, die in deinem Kopf erscheint, wenn du dieses Wort hörst. Damit ist die Freiheit gemeint, die du schon immer bist. Diese Freiheit wurde unterworfen. Erst haben das andere für dich gemacht und jetzt machst du es deshalb selbst. Du unterwirfst dich. Dummerweise ist das Gegenteil davon nicht die Rückkehr in die Freiheit. Denn das Gegenteil ist Rebellion gegen die Unterwerfung.
Doch diese Unterwerfung ist in dir. Also rebellierst du gegen dich. Frei wirst du nicht durch Rebellion gegen die Unfreiheit. Du wirst noch nicht einmal frei durch äußere Freiheit. Du wirst frei durch das Erkennen der Anarchie in dir. Diese Anarchie hat mit Politik nichts zu tun. Sie hat auch nichts mit Straßenkampf zu tun. Anarchie ist die Freiheit von Herrschaft. Niemand herrscht. Noch nicht einmal du selbst.
Jetzt weißt du auch, warum ich zwischendurch etwas gegen Manifestation sage. Manifestation ist die Idee deiner Herrschaft. Du bestimmst, was passiert. Du herrschst über das Leben. Doch in Wahrheit herrschst du nicht über das Leben. Du bist der Empfänger von Leben. Es gibt auch außer dir niemanden, der über Leben herrscht. Jeder empfängt es.
Und dann versuchen wir, uns selbst und gegenseitig in Strukturen einzubetten. Unsere primären Bezugspersonen haben Angst vor Freiheit und übertragen diese Angst auf uns. Wenn wir dann Angst vor Freiheit haben, haben wir auch Angst vor anderen Menschen. Wir müssen schließlich davon ausgehen, dass sie mit Freiheit nicht umgehen können. Und so kommt es zu der Idee von Einschränkung anderer Menschen und damit zur Idee von Herrschaft.
Entgegen der fehlgeleiteten Annahme war diese Idee nicht von Anfang an in dir. Solange du keine Angst hattest, hast du dir keine Gedanken darüber gemacht, ob und wie du andere kontrollieren kannst. Diese Idee kam erst nach der Angst.
Da Anarchie unser ursprünglicher Zustand ist, gibt es übrigens auch keine Rückkehr zur Anarchie. Es gibt nur Ausnahmen, wo unsere Freiwilligkeit verletzt wird. Manchmal durch Herrscher außerhalb von uns und meistens durch den Herrscher in uns. Wir herrschen über uns selbst nämlich viel krasser, als es irgendein Herrscher jemals könnte.
Wenn du frei bist von der Herrschaft deines Verstandes, bist du Anarchist. Du bist zurück in dem, woher du kommst. Niemand über dir und niemand unter dir. Jede Begegnung freiwillig. Freiwillig nicht nur, weil es keinen Zwang von anderen gibt, sondern freiwillig vor allem auch deshalb, weil du keinen Zwang auf dich selbst ausübst.
Gegen den Zwang von außen zu sein ist einfach. Daraus entsteht Rebellion. Deine verborgenen, unbewussten inneren Zwänge zu erkennen ist das Schwierigste überhaupt. Daraus entsteht Spiritualität und Anarchie.