»Der Grund zu leben existiert nur in uns.«
Dieser Grund ist für alle gleich. Denn dieses Zitat bedeutet überhaupt nicht das, was der Verstand daraus macht. Er interpretiert nämlich externe Gründe in unser Inneres. Er meint, du müsstest in dich gehen, um externe Gründe zu finden. Und wenn du dann ganz genau hinhörst und in dich reinhorchst, dann findest du Gründe wie Erfolg, Kinder, Geld und so weiter.
Das wird auch spirituell gemacht. Wir nennen es dann anders. Wir sagen dann "Erfüllung in der Partnerschaft", "Visionen entwickeln" oder auch "anderen helfen". Das sind alles immer noch externe Gründe. Gründe außerhalb von uns entfernen uns von unserer innersten Erkenntnis. Außerhalb von uns gibt es keinen echten Grund zu leben. Und der Grund in uns, der uns alle verbindet, ist Erkenntnis.
Zufrieden, also frei von Wünschen beziehungsweise wunschlos glücklich, sind wir erst dann, wenn wir das erreicht haben, wozu wir hier sind. Und das ist kein äußerer Erfolg. Es ist überhaupt nichts Äußeres. Es ist ausschließlich etwas Inneres. Solange wir nach diesen äußeren Erfahrungen streben, leben wir an dem Grund für Leben komplett vorbei. Selbst wenn wir glauben, es ginge um die Erfüllung unserer inneren Bedürfnisse, sind wir immer noch auf dem Holzweg.
Es geht uns immer nur um innere Erkenntnis. Welche Erkenntnis das ist und wie weit das geht, liegt an uns, an unserer Bereitschaft für Erkenntnis. Alle unsere Erkenntnisse in diesem Zusammenhang sind nicht rational. Es ist eher eine innere Weitung. Niemand kann dafür die Geschwindigkeit vorgeben, vor allem nicht wir selbst.
Es ist lustig, wie ein Verstand funktioniert, der solche Zitate trivialisiert. Er glaubt, sie verstanden zu haben und liegt dabei vollkommen falsch. Er glaubt, dass du beim "in dich gehen" äußere Gründe findest. Als gäbe es in der Welt etwas zu tun! Als könntest du deine Lebensaufgabe durch äußere Taten erreichen! Der Verstand verwendet immer die Karikatur von Spiritualität, weil er den Kern davon nicht erfassen kann.
Es gibt außerhalb von uns keinen Grund zu leben. Doch genau diese Gründe liebt der Verstand. Und er kann nicht erkennen, dass wir durch die Suche nach Bestätigung außerhalb von uns bedürftig werden. Und wenn wir diese Bestätigung oder wie die Spirituellen dann sagen "Wertschätzung" nicht von außen bekommen, suhlen wir uns in unserem Selbstmitleid.
Was wir uns selbst nicht geben können, wollen wir dann von anderen erzwingen. Doch diese Leere, die dadurch entsteht, dass wir auf äußere Gründe projizieren, kann von anderen niemals gefüllt werden. Wie sollten andere etwas können, wozu wir selbst nicht in der Lage sind? Und diese Leere entsteht nur, weil wir den wahren Grund für unser Leben nicht finden.
Wenn wir diesen Grund finden wollen, müssten wir die Leere oder die Depression akzeptieren und bereit sein, fühlend darin zu baden. Dadurch fallen alle äußeren Gründe weg und wir entdecken den Grund, der schon immer in uns existiert.