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    24.7.2025AQ 2799
    »Kinder sind unregierbar.«
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    »Kinder sind unregierbar.«

    Kinder sind unregierbar, bis die Eltern sie regierbar machen. Kein Vater und keine Mutter muss versuchen, unregierbare Kinder zu erziehen. Es genügt, wenn sie keine regierbaren Kinder aus ihren unregierbaren Kindern machen. Denn kein Kind ist regierbar. Es wird erst durch die Eltern dazu gebracht. Alle Logik von Regierbarkeit wird durch die Eltern auf die Kinder übertragen.

    Jede Begründung kommt von den Eltern. Jeder Zwang kommt von den Eltern. Jede Umerziehungsmaßnahme, die auch von Staaten durchgeführt wird, wurde als Erstes von Eltern an ihren Kindern durchgeführt. Es gibt nichts, was der Staat macht, was Eltern nicht schon getan haben. Es gibt keine Methode, mit der Obrigkeit herrscht, die nicht schon von Eltern umgesetzt wurde. Es gibt keine Form des Zwangs und der Unterdrückung, die nicht als Erstes von Eltern ausging.

    Wir nennen das die Eingliederung der Kinder in die Gesellschaft. Und wir verstehen nicht, dass die Gesellschaft all das ist, was wir unseren Kindern nicht antun wollen. Wenn wir es unseren Kindern nicht antun wollen, müssten wir mit so viel Widerstand und Unwohlsein klarkommen, dass wir erst einmal nicht mehr klarkommen damit. Anfangs würde es so wirken, als würden uns die anderen damit konfrontieren, bis wir feststellen, dass all das in uns geschieht. Unsere eigene Obrigkeitshörigkeit wird angetriggert und das löst immens unangenehme Gefühle aus.

    Es gibt kaum einen Menschen, der das in sich wahrnehmen und in sich für sich selbst verarbeiten möchte. Deshalb geben wir anderen die Schuld. Wir behaupten, die Gesellschaft sei schlecht. Da wären wir allerdings schon weit gekommen, wenn wir das sagen könnten. Die meisten sind immer noch der Meinung, sie müssten die Kinder in die Gesellschaft integrieren und dazu erziehen.

    Und das stimmt, wenn du dein Kind an die anderen Menschen anpassen willst. Im Wesentlichen passt du es aber an dich an. Und dabei passt du es daran an, welche Gefühle du gerne fühlst und welche Gefühle du nicht gerne fühlst. Das hat also kaum etwas mit den anderen zu tun, sondern mit deinen Gefühlen. Natürlich auch mit den Gefühlen, die durch andere ausgelöst werden, wenn dein Kind nicht so ist, wie sie es erwarten. Meistens ist es aber auch nicht so, wie du es erwartest. Und das fühlt sich unangenehm an. Das will kaum jemand fühlen.

    Unregierbare Kinder müssen nicht erzogen werden. Erziehung wird nur notwendig, um regierbare Kinder zu erziehen. Die Regierung beginnt in der Familie. Von dort breitet sie sich in die Nachbarschaft, in die Dörfer, Gemeinden und Städte aus. Es kommt alles von den Eltern und deren Eltern und deren Eltern und deren Eltern. Irgendwann hat es angefangen, dass wir durch Traumatisierung unsere Kinder regierbar erzogen haben. Und seitdem ist das unregierbare Kind der Störenfried, das schwarze Schaf der Familie. Die Eltern können das noch nicht einmal wahrnehmen und behaupten, sie kennen kein schwarzes Schaf. Sie lieben alle ihre Kinder. Und trotzdem kommen sie mit den unangepassten Kindern nicht klar.

    Unregierbarkeit ist unsere Natur, weil Regierbarkeit unnatürlich ist. Regierbarkeit muss im wahrsten Sinne des Wortes in uns hinein geprügelt werden. Die meisten erwachsenen Kinder, die mir zuhören, haben das erlebt. Dabei sind die physischen Prügel nicht so relevant wie die psychischen. Ein Kind, das sich hilflos fühlt, wird im Lauf der Zeit regierbar. Es gibt seine Unregierbarkeit für Sicherheit auf. Hätte es die Sicherheit immer bekommen, bräuchte es sich überhaupt nicht verändern.

    Es ist also nicht Aufgabe der Eltern, für unregierbare Kinder zu sorgen. Es ist aber die Aufgabe der Eltern, Kinder nicht regierbar zu machen.