»Wenn du keine Hoffnung mehr brauchst, werden auch deine Zweifel überflüssig.«
Hoffnung und Zweifel speisen sich aus der gleichen Quelle. Diese Quelle ist deine Angst. Es gibt keinen anderen Grund für Zweifel als Angst. Die Angst, etwas nicht schaffen zu können. Die Angst, etwas nicht hinzubekommen. Die Angst zu scheitern. All diese Ängste nennen wir Zweifel. Hoffnung wirkt wie das Gegenteil davon, ist es aber nicht. Ohne Angst musst du nicht hoffen. Der einzige Grund, der Hoffnung notwendig macht, ist deine Angst, dass es nicht so ausgeht, wie du es dir wünschst. Und um diese Angst zu verdrängen, um diese Angst nicht zu fühlen, hoffst du. Du hoffst auf einen anderen Ausgang als den, vor dem du Angst hast.
Mit dem Glauben verhält es sich wie mit der Hoffnung. Du versuchst, von etwas überzeugt zu sein, das du nicht erlebt hast. Und das nur, um deine Angst zu verdrängen. Hättest du es schon erlebt, brauchst du weder hoffen noch glauben. Dann weißt du. Du weißt es aus eigener Erfahrung. Deine Erfahrung macht Hoffnung und Glauben überflüssig. Doch da du entweder keine Erfahrung hast oder dich nicht daran erinnerst, entwickelst du Angst. Angst vor dem angeblich Unbekannten. Angst vor dem, was du aus eigener Erfahrung oder Mangel an Erinnerung daran nicht einschätzen kannst.
Solange du deine Angst mithilfe von Hoffnung verdrängst, versuchst du auch anderen bei der Verdrängung ihrer Ängste zu helfen. Du wirkst dann aus deinem Leid heraus. Du installierst in den anderen das, was der Grund für deine eigene Hoffnung ist. Hoffnungslosigkeit hat einen ganz schlechten Ruf. Dabei ist sie die Grundlage dafür, dass wir unsere Ängste nicht weitergeben. Wir können erst dann wirklich hilfreich werden, wenn unsere Hilfe nicht mehr unserem Leid entspringt. Erst wenn du die Unmöglichkeit akzeptierst, dass du nicht helfen kannst, bist du das erste Mal überhaupt in der Lage zu helfen.
Für den Verstand klingt das so lange paradox, bis du es erlebst. Und wenn du es dann erlebst, weißt du ganz genau, wie das gemeint ist. Denn du fühlst, wie der gesamte Druck in dir wegfällt oder überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Du willst niemanden mehr retten. Dein Helfersyndrom ist verschwunden und du kannst dich deshalb das erste Mal auf Menschen so einlassen, wie es für sie tatsächlich hilfreich ist. Dafür musst du dann auch nicht mehr denken. Und das bedeutet auch nicht, dass du immer unfassbar freundlich wirkst dabei. Es bedeutet, dass dich nichts mehr zurückhalten kann. Und es bedeutet, dass du so wirken kannst, wie du von Anfang an gedacht bist: ohne deine Konditionierung und frei von Angst.
Falls du trotzdem weiterhin zweifelst, hör auf zu glauben und hör auf zu hoffen. Werde hoffnungslos. Dann verschwinden deine Zweifel. Wo Hoffnungslosigkeit im besten Sinne herrscht, sind Zweifel überflüssig.