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    17.7.2025AQ 2792
    »Sobald dir Erfolg wichtig ist, wirst du unecht und manipulativ.«
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    »Sobald dir Erfolg wichtig ist, wirst du unecht und manipulativ.«

    Das ist vor allem dann der Fall, wenn du bei der Vorbereitung von öffentlichen Auftritten oder bei den öffentlichen Auftritten selbst an deinen Erfolg denkst. Denn dann musst du darüber nachdenken, was gut ankommt und was dafür sorgt, dich noch erfolgreicher zu machen. Du überlegst dann, was die anderen denken. Und du überlegst, was du ihnen sagen könntest, das sie beeindruckt.

    Deshalb ist Erfolg keine Garantie für Qualität. Oft ist Erfolg deshalb sogar das exakte Gegenteil. Er ist ein Zeichen dafür, dass sich Menschen verbogen haben. Sie haben sich entweder ans Publikum angepasst oder an diejenigen, die ihnen den Zutritt zum Publikum gewähren. Das sind sogenannte Gatekeeper, die gar nicht wissen, dass sie welche sind.

    Wenn deine Priorität der Erfolg ist, dann musst du die ganze Zeit darüber nachdenken, wie du bei anderen ankommst. Du musst dich immer an den anderen orientieren und du musst versuchen, sie zu manipulieren, sie auf deine Seite zu ziehen. Du musst versuchen, sie von dir zu überzeugen. Du kannst dann nicht mehr echt sein. Und damit meine ich nicht, dass du jeden spüren lassen musst, wie es dir geht. Aber du kannst auch keine einzige unbequeme Wahrheit mehr aussprechen.

    Wenn du erfolgreich sein willst, musst du massentauglich sein. Es gibt nur wenige, die das Spiel der Masse und der Medien nicht mitspielen und trotzdem öffentlich erfolgreich sind. Es ist auch nicht so, dass das unbedingt auffallen muss, wenn man sich für den Erfolg verbiegt. Das können auch einfach nur viele kleine Kompromisse sein. Bedingungen, die man übergeht, kleine Abstriche, die man macht und viele kleine Dinge, die man auch gar nicht mitbekommt. Irgendwann bist du in einem Hamsterrad gefangen. Und die meisten haben gar nicht mitbekommen, wie sie da reingekommen sind.

    Ich hatte das große Glück, dass ich das bei mir selbst beobachten durfte. Und ich kann dabei überhaupt nichts Schlechtes über diejenigen sagen, die Erwartungen an mich hatten. Ich kann es aus ihrer Sicht verstehen. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sie mich in das Hamsterrad stecken wollten, in dem sie selbst sind. Das war, als mein zweites Buch in einem bekannten Verlag erschienen ist.

    Erst zu diesem Zeitpunkt habe ich realisiert, aus wie vielen Systemen ich bereits ausgestiegen bin. Ich wusste das bis dahin nicht, weil ich das nicht absichtlich gemacht habe. Es hat sich auf meinem Weg so ergeben und mir war wirklich nicht mehr klar, wie sehr die Menschen in ihren Systemen und Hamsterrädern verhaftet sind. Das war auch alles nicht schlimm. Es war einfach nur deutlich. Vor allem habe ich realisiert, wie wenig ich dafür geeignet bin. Und als ich das realisiert habe und auch realisiert habe, dass ich überhaupt keinen Verlag brauche und ich nicht zurück in die alten Systeme will, war alles ganz einfach. Ich habe auch keinen Mut dafür gebraucht, denn es war klar: Das ist nicht mein Weg.

    Hätte ich an meinen Erfolg gedacht und ihn an die erste Stelle gestellt, dann hätte ich ganz sicher einen Kompromiss gemacht. Und hätte ich auf andere gehört, dann hätte ich gar nichts verändert. Ich hätte die Eindeutigkeit meiner Erkenntnisse meinem Erfolg untergeordnet. Dabei ist es vollkommen egal, wie der Erfolg gemessen wird, ob es um Einschaltquote, Likes, Follower, Bekanntheit oder Geld geht: Jede Messgröße, die du über dich stellst, verfälscht dich. Du manipulierst dich selbst, manipulativ zu sein. Und das nur dadurch, dass du etwas anderes als dich an erste Stelle setzt.

    Dich an erste Stelle zu setzen, hat dabei überhaupt nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit deiner Erfahrung und deinen Gefühlen, mit deiner Echtheit und deiner Verbundenheit zu dir selbst, die sich auch dadurch ausdrückt, dass du bestimmte Spiele nicht mehr mitspielst. Vollkommen unabhängig davon, wie sehr dir andere dazu raten oder wie sehr auch du selbst denkst, dass du diesen Schritt irgendwann bereust.

    Jeder dieser Schritte war für mich ein Schritt in die Freiheit, selbst dann, wenn er Nachteile mit sich gebracht hat. Das größte Geschenk, das ich mir damit selbst gemacht habe: Ich kann echt sein, weil ich von niemandem abhängig bin.