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    13.7.2025AQ 2788
    »Herrscher gibt es nicht, weil einige wenige herrschen, sondern weil viele beherrscht werden wollen.«
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    »Herrscher gibt es nicht, weil einige wenige herrschen, sondern weil viele beherrscht werden wollen.«

    In unserer Ohnmacht interpretieren wir das vollkommen anders. Wir fühlen uns ausgenutzt, unterlegen und unterdrückt. Und deshalb machen wir mit und folgen ihren Regeln. Wenn nicht, protestieren wir und verstehen dabei nicht, dass der Protest die Herrschaft festigt.

    Als ich vorhin danach gesucht habe, ob es ein ähnliches Zitat schon gibt, bin ich hauptsächlich auf gegenteilige Zitate gestoßen. Eines davon lautet: "Es muss verschiedene Rangstufen geben, da alle Menschen herrschen wollen und nicht alle es können." Blaise Pascal

    Es stimmt nicht, dass alle Menschen herrschen wollen. Ganz im Gegenteil: Die meisten Menschen wollen gehorchen. Und es stimmt auch nicht, dass nicht alle es können. Keiner kann es. Absolut niemand ist in der Lage, über andere Menschen zu herrschen. Das hat einen ganz einfachen Grund: Er weiß nicht, was sie wollen. Er kann es nicht wissen, denn er ist nicht die anderen. Er kann nur wissen, was er will. Und wenn er herrschen will, dann soll er über sich selbst herrschen. Da wird er sehen, wie leicht das ist oder vielleicht auch nicht. Er wird das herausfinden, was ein Richter herausfinden kann, wenn er über sich selbst statt über andere richtet. Es wird ihm auffallen, wie schwierig das ist. Er kann sich nämlich nicht einmal selbst beherrschen.

    Der Drang zur Herrschaft ist die Unfähigkeit, sich zu beherrschen, sich zurückzunehmen, sich nicht so wichtig zu nehmen. Deshalb kann keiner der Herrschenden über sich selbst herrschen. Sie müssten alle erkennen, dass ihr Drang zur Herrschaft ein falscher Drang ist, den sie an den falschen Menschen ausleben.

    Der Drang zur Herrschaft ist eine Geisteskrankheit, die der Unterdrückung in unserer Kindheit entspringt. Wenn wir diese Geisteskrankheit nicht aufdecken, leben wir sie an uns selbst oder an anderen aus. Beides ist nicht gesund. Ihre Geisteskrankheit könnte den Herrschern aber erst auffallen, wenn es niemanden mehr gibt, der beherrscht werden will. Vorher gibt es zu viele, die sich unterwerfen und damit ein freiwilliges Opfer der Geisteskrankheit der Herrschenden sind. In gleichem Maß ist natürlich die Unterwerfung ebenfalls eine Geisteskrankheit, eine Krankheit des Geistes durch Prägung in unserer Kindheit.

    Diejenigen, die beherrscht werden wollen, fordern und fördern die Herrscher. Sie bedingen sich gegenseitig und brauchen einander wie die Luft zum Atmen. Beide sind nicht nur anfällig für ihren Gegenspieler, sie fordern ihn geradezu ein. Und beide Seiten haben sehr gute Begründungen, warum es anders überhaupt nicht geht. Eines der Hauptargumente ist immer wieder: "Weil Menschen schlecht sind." Beziehungsweise auch: "Weil Menschen mit Freiheit nicht umgehen können."

    Nehmen wir einmal an, das würde stimmen. Menschen sind schlecht und Menschen müssen beherrscht werden, damit sie nicht durchdrehen. Von wem genau? Von Menschen, die schlecht sind und die beherrscht werden müssen, damit sie nicht durchdrehen? Oder sind die Herrscher einfach die besseren Menschen? Tatsächlich ist ja das Gegenteil der Fall: Das System bevorzugt die schlechteren Menschen, diejenigen mit weniger Gewissen und mit weniger Moral. Und zwar auf beiden Seiten. Moralisches Verhalten und ein Gewissen sind sowohl auf Seiten der Herrschenden als auch auf Seiten der Beherrschten nicht förderlich. Auf beiden Seiten wird erwartet, dass man die Moral zurückstellt.

    Also stimmt es gar nicht, dass ein Herrschaftssystem dafür sorgt, dass wir bessere Menschen werden. Denn jedes Herrschaftssystem bevorzugt Konformität. Und Konformität sorgt nicht dafür, dass wir bessere Menschen werden. Ganz im Gegenteil.