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    5.7.2025AQ 2780
    »Wirken zu wollen, verfälscht deine Wirkung.«
    0:005:42

    »Wirken zu wollen, verfälscht deine Wirkung.«

    Sobald du etwas erreichen willst, bist du manipulierbar. Schlimmer noch: Du manipulierst dich selbst. Auch dann, wenn du es nicht mitbekommst. Der Wunsch einer Wirkung verfälscht uns. Genauso verfälscht uns auch der Wunsch, wie wir nicht wirken wollen. Immer wenn wir anders sein wollen, als wir sind und immer wenn wir etwas erreichen wollen, wo wir nicht sind, manipulieren wir uns selbst.

    Menschen sprechen dann davon, dass sie sichtbar werden wollen oder sie sagen, dass sie jetzt mit dem rausgehen wollen, was sie lange zurückgehalten haben oder was sie im Hintergrund vorbereitet haben und woran sie lange gearbeitet haben. Wenn du dringend sichtbar werden willst, gibt es etwas, das du nicht siehst: Dich! Du siehst nicht, warum du sichtbar werden willst. Du fühlst den Antrieb und du weißt, dass du unbedingt sichtbar werden willst. Aber du weißt nicht, warum.

    Und mit der Frage nach dem Warum meine ich nicht die rationale Begründung. Es bleibt dir einfach die Ursache für deinen Antrieb komplett verborgen. Wir alle haben diese Antriebe und kaum jemand ist bereit, sie genauer zu untersuchen. Wir halten sie für normal oder selbstverständlich und wir können uns gar nicht vorstellen, dass es sein könnte, dass diese Antriebe nicht gut sind für uns, dass wir einem Trick unseres Ego zum Opfer fallen.

    Wenn wir uns unsere Motivation nicht ehrlich anschauen, bleiben oder werden wir unauthentisch. Wir sind dann Schauspieler, die das spielen, wovon wir denken, dass es erwartet wird oder gut ankommt. Wir imitieren andere. Und immer wenn wir öffentlich auftreten, tun wir so, als ob.

    Ich habe vor Kurzem ein Beispiel mit Brendon Burchard gesehen. In dem hat er gesagt, dass er zwei oder drei Jahre so getan hat, als wäre er Autor. Er hat sich in ein Café gesetzt, in dem andere Autoren saßen und hat einfach so getan, als würde er dazugehören. Irgendwie und irgendwann hat er dann sein erstes Buch tatsächlich fertiggestellt und seitdem schreibt er über Höchstleistung. Dabei war seine Höchstleistung "drei Jahre verschieben". Das erwähnt er nur als Geschichte am Rande. Denn seit seinem ersten Buch ist er ja ein erfolgreicher Motivationsredner. Und jetzt tut er so, als hätte er eine Ahnung von Höchstleistung. Tatsächlich hat er viel mehr Ahnung vom Gegenteil. Wenn er darüber sprechen würde, würde das aber nicht so gut ankommen. Höchstens als Anekdote. Diese Anekdote waren aber viele Jahre seines Lebens.

    Die Amis machen das unter dem Motto: "Fake it until you make it." Also tu so, als ob, bis es dann tatsächlich so ist. Was sie dabei übersehen, ist Folgendes: Während du so tust, als ob, übst du nicht, wie es ist. Du übst, wie du so tust, als ob. Und das bleibt. Du kannst dann gar nicht mehr echt werden, denn du hast die ganze Zeit geübt, etwas vorzugeben. Und damit hast du geübt, falsch zu sein. Denn nur derjenige, der sich falsch fühlt und damit nicht klarkommt, muss vorgeben, jemand anders zu sein.

    Und so kann dein Sichtbarwerden, das du selbst als extrem positiv einschätzt, zu einer Entwicklung führen, die überhaupt nicht gut ist für dich. Du bleibst dann dein Leben lang unter der Fuchtel deines Ego und kannst nie so leben, wie du wirklich bist.