»Der Trigger ist der letzte Teil deiner Erinnerung.«
Wenn du getriggert bist, bedeutet das, dass du dich erinnerst. Du erinnerst dich aber nicht vollständig, sondern ganz im Gegenteil: Du erinnerst dich nur noch an den kleinsten, aber bedeutendsten Ausschnitt. Du erinnerst dich an das Wesentliche und alles andere hast du vergessen. Das nennt man Trauma.
Und weil du dich an alles andere nicht mehr erinnerst, kommt es dir so vor, als würde der Trigger durch aktuelle Ereignisse ausgelöst werden. Und es kommt dir auch so vor, als ginge es nur um diese aktuellen Ereignisse. Du bist dann der Meinung, dass du anhand dieser aktuellen Ereignisse irgendetwas regeln könntest: für dich einstehen, dich beruhigen, den anderen beruhigen, mit ihm diskutieren oder die Trigger besprechen. Als könnte dadurch deine Erinnerung ausgelöscht werden!
Dabei ist der Trigger, der auf den anderen reagiert, deine letzte Erinnerung an das, was passiert ist. Und wir versuchen es zu vermeiden oder gar komplett auszulöschen. Wir wollen dann souverän sein, darüber stehen, nicht mehr angreifbar sein und selbstbewusst wirken. Damit bekämpfen wir unsere Erinnerung. Sie geht dadurch aber überhaupt nicht weg. Denn der letzte verbliebene Teil deiner Erinnerung ist so tief! Den wirst du nie vergessen. Würdest du ihn vergessen können, gäbe es keine Möglichkeit für dich, jemals zu erkennen, wer du bist.
Was bei einem Trigger in Vergessenheit geraten ist, ist der Auslöser und die Umstände. Wenn du beginnst, dich an den Grund des Triggers zu erinnern, dann ergibt der Trigger plötzlich wieder ganz viel Sinn. Dann ist es auch nicht mehr schlimm, dass du getriggert bist. Schlimm wird es erst dann wieder, wenn du den Grund vergisst. Und du wirst ihn wieder vergessen, weil der Trigger so stark ist, dass du dich in diesem Moment an nichts anderes erinnern kannst. Wenn dir der Grund für den Trigger dann wieder klar ist, kannst du gar nicht mehr sauer sein und du beziehst es auch nicht mehr auf den anderen, der jetzt gerade anwesend ist. Außer er macht das Gleiche wie derjenige, der diesen Trigger in deiner Kindheit initiiert hat.
Wir werden den Grund dafür wieder und wieder vergessen und wir werden uns wieder und wieder erinnern. Denn diese letzte Erinnerung kommt so oft und so lange, bis wir uns komplett erinnern. Wir erinnern uns, dass etwas in uns bekämpft wurde. Etwas, das uns ausmacht. Etwas, das die anderen getriggert hat. Wir waren die Erinnerer. Und so sind es jetzt all jene, die uns triggern. Nicht angenehm, aber heilsam. Heilsam vor allem immer dann, wenn wir uns bewusst werden, dass der Trigger aus der Vergangenheit kommt und jetzt angeregt wird.
Erinnerung ist schmerzhaft. Sie ist vor allem deshalb schmerzhaft, weil du nur noch einen letzten Strohhalm hast: ein intensives, unangenehmes Gefühl im Körper. Ein Gefühl, von dem du nicht weißt, woher es kommt und warum es hier ist. Du kannst es nicht einordnen und selbst die meisten psychologischen Erklärungen bringen dir nichts. Bis du selbst drauf kommst! Bis es dir wie Schuppen von den Augen fällt! Dabei geht es nicht darum, dass du dich an eine konkrete Situation erinnern musst. Es geht darum, welcher Wesensanteil in dir bekämpft wurde.
Also ehre den letzten Teil deiner Erinnerung.