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    25.6.2025AQ 2770
    »Mitgefühl ist, wenn du etwas fühlst, das der andere gerade gar nicht fühlt.«
    0:005:25

    »Mitgefühl ist, wenn du etwas fühlst, das der andere gerade gar nicht fühlt.«

    Ja, es gibt Mitgefühl. Aber es ist nicht das, was wir behaupten. Und das liegt daran, dass wir im Gefühl, also im Mitgefühl, nicht mehr genau beobachten. Wir sind im Mitgefühl gefangen. Und so wird Mitgefühl ganz schnell zu Mitleid. Dein Mitgefühl ist nicht die Körperempfindung, die derjenige fühlt, mit dem du Mitgefühl hast. Dein Mitgefühl löst eine andere Körperempfindung aus. Es stimmt also nicht ganz, dass du mitfühlst. Dazu müsstest du genau das fühlen, was der Betroffene fühlt. Aber es stimmt, dass du berührt bist und dass du etwas fühlst, wenn du den Betroffenen beobachtest.

    Ein ganz einfaches Beispiel: Wenn ich als Radsportler gestürzt bin, dann hatte ich Schmerzen an den Körperstellen, die den Boden als Erstes berührt haben. Manchmal auch noch darüber hinaus. Wenn ich jetzt sehe, wie Radfahrer stürzen, dann habe ich Mitgefühl. Und das fühle ich im Moment, in dem sie stürzen, aber nicht an den Körperstellen, die den Boden als Erstes berührt haben. Ich fühle es im Bauch und das fühlt sich höchst unangenehm an, aber nur, wenn ich nicht präsent bin, wenn ich es verdrängen möchte. Wenn ich es wahrnehmen kann, dann ist es eine Körperempfindung wie jede andere auch. Der Radsportler, der gestürzt ist, hat währenddessen starke Schmerzen, die ich nicht habe und die ich auch nicht nachfühlen kann.

    Dieses plakative Beispiel kannst du auf alles andere übertragen. Denn du weißt nie, wo die anderen gerade etwas fühlen und ob sie überhaupt etwas fühlen, ob sie ihre Gefühle überhaupt wahrnehmen können, ob sie schon herausgefunden haben, dass Gefühle gar kein Name sind, sondern eine Körperempfindung und ob sie diese Körperempfindung beobachten können.

    Da die meisten ihre Körperempfindung im Mitgefühl nicht beobachten können, führt ihr Mitgefühl zu Mitleid und zu der Übersprunghandlung, dass wir ganz dringend helfen wollen. Und das liegt nicht daran, dass wir gerade helfen können. Es liegt daran, dass wir unser Mitgefühl verdrängen wollen. In diesem Leid sind wir nicht lösungsorientiert, zumindest nicht für die anderen, sondern für uns. Und so führt Mitgefühl zu Mitleid und Mitleid führt zu egoistischer Hilfe. Also eine Hilfe, die auf mich und meine Gefühle bezogen ist und nicht auf die Gefühle des anderen. Echte Hilfe ist immer selbstlos und deshalb darf sie nicht aus Mitleid entstehen.

    Immer dann, wenn wir den anderen retten wollen, wollen wir tatsächlich uns selbst retten. Wir wollen uns selbst vor der Körperempfindung bewahren, die wir wahrnehmen, wenn wir Mitgefühl empfinden. Echtes Mitgefühl bedeutet deshalb: "Ich bin bereit zu fühlen, was die Situation des anderen in mir auslöst." Erst wenn du in dem ruhen kannst, erfährst du echtes Mitgefühl. Vorher ist alles eine programmierte Handlung.

    Wenn du im Mitgefühl ruhst, wird alles zur Hilfe. Und die größte Hilfe ist es bereits, wenn du im Mitgefühl ruhst. Alles Weitere sind nur Folgeerscheinungen aus dieser Ruhe. Daraus können auch Handlungen entstehen, müssen aber nicht. Die Hilfe ist bereits geschehen, als du dein Mitgefühl gefühlt hast.