»Kompromisse sind der Tod jeder Intuition.«
Über Intuition wird meist so einfach gesprochen. Es wird so getan, als sei es etwas Leichtes. Jeder hätte sie und du musst ihr ja nur folgen. Und das stimmt, bis es um die Praxis geht. Und in der Praxis verkacken es alle. Denn in der Praxis grätscht dir der Verstand drein und fordert Kompromisse von dir. Manche tun dann so, als wüssten sie nicht, wovon ich spreche. Doch auch das ist nur der Verstand, der sich selbst zu schützen versucht. Denn wir alle wurden auf Kompromiss programmiert.
Ich meine deshalb nicht, dass Kompromisse immer schlecht sind. Ich sage auch nicht, dass du niemals einen Kompromiss eingehen darfst. Du musst dir nur klar sein, dass der Kompromiss der Widersacher der Intuition ist. Denn die Intuition ist da, bevor der Kompromiss da ist. Die Intuition sagt dir nicht: "Ich könnte das machen, aber ich muss auch noch xyz bedenken." Die Bedenken kommen vom Verstand. Die Bedenken kommen aus der Programmierung. Du musst diese Bedenken nicht immer ignorieren. Du musst nur wissen, womit du es zu tun hast. Und du musst zu dem Punkt kommen, an dem es eine bewusste Wahl ist, dich zwischen Intuition und Kompromiss, also Verstand oder Programmierung, zu entscheiden.
Du kannst dich zum Beispiel bewusst für den Kompromiss entscheiden, damit der Haussegen nicht schief hängt oder damit du deine Freunde behältst. Dann weißt du, warum du es tust und du tust es bewusst. Die programmierten Kompromisse sind alle unbewusst. Sie tun so, als hättest du keine Wahl, als müsstest du dich auf sie einlassen, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Die andere Möglichkeit gibt es aber. Und der Grund, warum wir diese andere Möglichkeit namens Intuition so selten wählen, liegt darin, dass die damit verbundenen Begleitumstände enorm starke Gefühle in uns auslösen würden. Wir würden Gefühle fühlen, auf die wir keine Lust haben.
Denn die Intuition bringt uns aus der Programmierung heraus, weil sie selbst jenseits der Programmierung liegt. Und jedes Heraustreten aus der Programmierung ist nicht mit Freude, sondern mit Schmerz verbunden. Sonst wäre es keine Programmierung. Sonst wäre es extrem einfach, die Programmierung zu verlassen, denn es ist ja immer mit Freude verbunden. Und das ist dieser seltsame Widerspruch: Die Intuition fühlt sich gut an. Aber die Umsetzung der Intuition fühlt sich überhaupt nicht gut an. Und dieses negative Gefühl kommt so schnell, dass du das erste positive Gefühl fast nicht mehr mitbekommst.
Deshalb tun wir uns mit Intuition so schwer. Deshalb fühlen wir uns hin- und hergerissen. Meistens fühlen wir uns besser gesagt abgehalten und wir wollen nicht zugeben, dass es unser eigener Verstand ist, der uns davon abhält. Wir wollen so tun, als wären es die Umstände, die uns davon abhalten. Doch das ist bereits der Verstand, der eingegriffen hat, der abwägt und der dir Kompromisse vorschlägt. Diese Kompromisse beinhalten alle Grenzen, die du einhalten musst, damit du nicht das fühlst, was du fühlen würdest, wenn du dich an deiner Intuition orientierst.
Bei deiner Intuition kann übrigens auch niemand mitreden, denn auch das wäre nur die Reaktion eines Verstandes auf die Intuition. Deshalb kommen von diesen Menschen ganz oft Ratschläge und Tipps, die Kompromisse beinhalten. Oder sie wünschen dir irgendetwas. Sie wünschen dir, dass du deine Intuition irgendwann mal leben kannst. Das ist vollkommen irre. Denn die Intuition ist schnell. Sie ist im Moment. Es sind keine Tipps oder Wünsche für die Zukunft. Sie ist jetzt hier und entweder du machst es oder du machst es nicht.
Und noch was Wichtiges: Selbst wenn du eine Intuition hast, was andere tun sollten, kümmere dich um deine Intuition, was du tun sollst. Es ist immer leicht, intuitiv zu wissen, was die anderen tun sollten. Leb es als Erstes selbst. Leb es für dich und nicht für die anderen. Gib nicht den anderen Ratschläge, wie sie ihre Intuition leben könnten, bevor du sie nicht selbst lebst.
Wenn du sie selbst lebst, bist du von ganz alleine ein leuchtendes Beispiel.