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    21.6.2025AQ 2766
    »Das hier ist nichts für Kuschelspruch-Süchtige.«
    0:005:59

    »Das hier ist nichts für Kuschelspruch-Süchtige.«

    Kuschelsprüche funktionieren fünf Minuten, vielleicht fünf Stunden und manchmal sogar fünf Tage. Danach hat es sich ausgekuschelt. Dann bist du wieder mit der sogenannten harten Realität konfrontiert. Und genau die will kaum jemand konfrontieren. Vor allem nicht die Coaches und die Lehrer, denn das ist geschäftsschädigend. Deshalb bekommst du überall Wohlfühlsprüche. Es wird dir gut zugeredet. Sie versuchen, Verallgemeinerungen zu vermeiden und sie sagen: "Du darfst" statt "Du musst." Sie wollen dich alle einladen. Und nur, wenn sie ausnahmsweise einmal ganz hart drauf sind, fordern sie dich auf, deine Komfortzone zu verlassen.

    Meistens versuchen sie, dir so viel Honig wie möglich ums Maul zu schmieren. Sie kennen nur diese beiden Varianten: hart oder weich. Und da sie die harte Variante vermeiden wollen, entscheiden sie sich für die weiche, sanfte. Sie kennen keinen anderen Weg. Sie wissen nicht, dass man sich nicht entscheiden muss. Sie denken alle immer noch in Konzepten. Sie glauben, eine Lehre sei einheitlich. Sie denken in Problemen und geben zu den gleichen Problemen die gleichen Antworten. Und obwohl es so rüberkommt, ist das gar keine Kuschelspiritualität. Es ist einfach nur Ablenkung.

    Vor allem aber ist es das immer gleiche Konzept des Verstandes. Ein Verstand, der nicht ablassen kann von einer bestimmten Verhaltensweise und der glaubt, dass Spiritualität nur dann stattfinden kann, wenn er sich immer gleich oder zumindest ähnlich verhält. Er glaubt auch, dass es bestimmte Posen braucht, die er einhalten muss. Und er will sie dir in einer geführten Meditation vermitteln. Er hat gelernt, dass es Affirmationen braucht, die du nur oft genug wiederholen musst, damit sie zu deiner Realität werden. So hypnotisiert er sich selbst. Er glaubt das wirklich, was er da macht. Und wenn ihm der Erfolg bei den Menschen dann auch noch Recht gibt, dann kommt er aus diesem Tunnel nicht mehr raus.

    Und es ist ja auch verständlich: In Zeiten von so viel Verunsicherung und Verwirrung suchen wir nach Beständigkeit, Verlässlichkeit und Sicherheit. Es wird also noch zunehmen. Man könnte sagen: "Es wird schlimmer werden im Bereich der Kuschelsprüche." Denn das, womit die meisten Menschen zur Zeit bombardiert werden, wird auch schlimmer. Und zwar so lange, bis wir erkennen, dass wir dieses Bombardement stoppen können. Nicht außerhalb von uns und auch nicht so, wie es oft propagiert wird, indem wir den Fernseher ausschalten und die Zeitungen abbestellen, sondern in uns. Nicht künstlich, sondern echt.

    Wir haben die Fähigkeit zu durchschauen, was gespielt wird und wie es gespielt wird. Und wir können erkennen, dass unsere Aufregung, unser Protest und unser Unfrieden noch nie einen Wert hatte, keinen Wert hat und nie einen Wert haben wird. Denn in den daraus resultierenden Aktionen sind wir immer steuerbar. Und es ist sogar so, dass unsere daraus resultierenden Aktionen genau zu dem führen, was gewollt ist oder die nächsten Aktionen überhaupt erst ermöglichen. Der Verstand ermöglicht die Kettenreaktion. Wie bei Dominos fällt ein Verstand auf den anderen herein.

    Bevor wir die Weltpolitik diskutieren, hätten wir genügend in unserer nächsten Nähe zu erforschen. Und das, was es da alles zu erforschen gibt, ist halt überhaupt nicht kuschelig. Ganz im Gegenteil: Es ist viel härter als alles, womit wir uns bisher konfrontiert haben. Selbst die schlimmsten Ereignisse außerhalb von uns kommen nicht an das ran, was wir da erforschen könnten.

    Ich überlasse die Kuschelspruch-Bühne weiterhin den anderen.