»Hinter den Kulissen sieht es anders aus als vor den Kulissen.«
Das heutige Zitat kenne ich noch nicht. Es muss sich im Verlauf meiner Erklärung ergeben. Ich möchte dir heute anhand von Beispielen erklären, was ich meine. Für das, was ich meine, habe ich noch keine Worte. Ich erzähle es dir aus meiner Sicht. Du wirst sehr wahrscheinlich in deinem Leben Parallelen finden.
Ein ganz einfaches Beispiel: Ich suche nichts Bestimmtes, aber ich bin im Internet unterwegs, schau bei spirituellen Influencern vorbei und lese, was sie schreiben. Sie schreiben von Entspannung, von Loslassen und von Hingabe. Ich fühle, was sie meinen und alles, was sie schreiben oder sagen, ist richtig. Es gibt nur ein kleines Problem: Ich fühle nicht, dass sie so sind. Ganz im Gegenteil: Ich fühle, dass sie angespannt sind. Kurz gesagt: Ich fühle nicht, dass sie leben, was sie predigen. Ich fühle sogar das exakte Gegenteil.
Wenn ich das ausspreche, bekomme ich von Spirituellen die immer gleichen stereotypen Reaktionen: "Alles ist gut, wie es ist." Oder: "Jeder geht seinen Weg und wir wissen nicht, was für ihn richtig ist." Ich hole mir also eine spirituelle Ohrfeige ab. Als spiritueller Lehrer müsste ich es ja auch besser wissen. Ich müsste in der Lage sein, die Relativität von allem zu erkennen. Was dabei nicht verstanden wird: Ich erwähne diese Widersprüche nur, weil sie mir auffallen und nur als Beispiele, um daraus zu lernen. Ich will niemand schlecht machen. Ich will auch nicht behaupten, dass ich es besser weiß. Ich versuche, über Beispiele auf etwas hinzuweisen.
Und der spirituelle Verstand ist extrem schnell darin, das zu relativieren. Ein spiritueller Verstand darf nicht mehr sagen, dass da etwas schiefläuft. Es darf dir noch nicht einmal mehr auffallen, obwohl es dir natürlich trotzdem auffällt. So wirst du nicht spirituell, sondern schizophren.
Ich bekomme solche Reaktionen auch von meinen Schülern. Manchmal sind sie sogar richtig angepisst und aggressiv. Sie wollen nicht, dass ich über andere spreche und sie hätten gerne, dass ich überall rosa Puderzucker drüber streue. Noch schlimmer wird es, wenn ich Namen nenne. Dann wird mir endgültig ein Problem unterstellt. An diesem Punkt geschieht etwas Erstaunliches: Ich beginne zu zweifeln. Ich zweifle an meiner Wahrnehmung. Und ich wäre gerne positiver und nicht so negativ. Verrückterweise waren meine Beobachtungen aber nie negativ gemeint. Ganz im Gegenteil: Ich sehe in der Aufdeckung von Lügen extrem positive Möglichkeiten. Es geht dabei überhaupt nicht um eine Anklage. Es geht dabei auch nicht darum, dass man selbst perfekt ist. Es geht darum, dass man beobachtet und erkennt.
Trotzdem ist da noch Zweifel, ob meine Beobachtung richtig ist. Und an diesem Zweifel könntest du verzweifeln. Allerdings nur dann, wenn du recht haben möchtest. Ich will nicht recht haben. Ich bin bereit falschzuliegen. Ich will nur beobachten und wahrnehmen. Und für meine Wahrnehmung, die frei ist von Verstand, kann ich nichts. Selbst dann nicht, wenn sie falsch ist. Sie darf also falsch sein. Dieses Risiko muss ich bereit sein, in Kauf zu nehmen. Selbst dann, wenn mir alle widersprechen und wenn mir jeder sagt, dass ich falschliege.
Das wäre etwas anderes, wenn ich vom Verstand aus wahrnehme, dann ginge es mir darum, dass ich recht habe. Aber darum geht es mir nicht. Es geht mir darum, dass ich richtig wahrnehme. Und wahrnehmen kann ich nur das, was tatsächlich hier ist. Das darf also keine Fantasie und keine Interpretation sein. Und das ist selbstverständlich eine Gratwanderung. Schließlich kann ich mir nie sicher sein, dass ich überhaupt keine Programmierung mehr habe. Ich weiß nicht, ob mir unterbewusst mein Verstand dazwischen grätscht.
Lustigerweise bekomme ich meistens wenige Wochen danach die Auflösung. Nicht als Botschaft von Engeln oder Channeling oder irgendwelchen anderen seltsamen Zeichen. Nein, ich bekomme sie direkt von der Quelle. Diejenigen, über die ich gesprochen habe, schreiben plötzlich, dass ihnen etwas aufgefallen ist. Sie schreiben darüber, dass sie von Entspannung geschrieben haben, während sie sich selbst unter Druck gesetzt haben. Sie schreiben, dass sie sich an Algorithmen orientiert haben und dass sie jetzt langsamer machen möchten.
Wenn dein spiritueller Verstand jetzt sagt: "Siehst du, Stefan, alles geschieht in seiner Geschwindigkeit!", dann verstehst du nicht, was ich damit meine. Es geht um eine ganz einfache Sache: Menschen in der Öffentlichkeit behaupten alles Mögliche und Unmögliche. Sie sprechen so, wie sie wissen, dass man sprechen muss. Sie lernen Spiritualität auswendig. Und sie wollen spirituell erscheinen. Deshalb sagen sie all das, was sie sagen. Und sie verdrängen, dass sie es nicht leben. Und ich bin der, der dich auf das hinweist. Nicht weil ich etwas gegen diese Protagonisten habe, sondern weil ich etwas für dich habe.
Ich habe das für dich, was dir sonst niemand sagen möchte: Hinter den Kulissen sieht es anders aus als vor den Kulissen. Du solltest dich deshalb nicht an der scheinbaren Perfektion der spirituellen Influencer orientieren. Sie ist nicht ihre gelebte Wahrheit. Ihre Welt ist genauso unperfekt wie deine. Sie schaffen es nicht, all das zu leben, was sie dir predigen. Sie sind keine Vorbilder. Sie sind Leithammel einer Schafherde. Einer Schafherde, die sich der Illusion hingibt, dass ihre Anführer perfekt seien oder dass sie zumindest das leben, was sie dir predigen.
Es geht also überhaupt nicht um sie, sondern um dein Verhältnis zu ihnen. Und dein Verhältnis zu ihnen ist im Kern dein Verhältnis zu einer Kunstfigur. Auch das ist kein Vorwurf von meiner Seite. Denn das geben sie im Nachhinein selbst zu.
Da es leicht ist, hinterher schlauer zu sein, möchte ich es dir bereits vorher sagen.