»Im Bereich unserer Gefühle sind wir es gewöhnt, über Fantasien zu sprechen, weil wir versuchen, das Emotionale rational zu verarbeiten.«
Die meisten Menschen können gar nicht über ihre Gefühle sprechen. Diese Unfähigkeit hat überhaupt nichts damit zu tun, ob sie es können oder nicht. Gefühle kann man nicht durch Gedanken beobachten, sondern durch etwas, das man nicht benennen kann. Anders gesagt: Sobald du deine Gefühle beobachtest, kannst du sie nicht mehr benennen. Entweder du beobachtest oder du benennst.
Die Benennung des Gefühls ist bereits die Trennung vom Gefühl. Wir sind so sehr daran gewöhnt zu benennen, alles in Worte zu verpacken, dass wir unfähig geworden sind zu beobachten. Durch diese Unfähigkeit der Beobachtung sind wir überzeugt davon, dass wir unsere Gefühle nur besser beschreiben können müssten, um einen Zugang zu ihnen zu bekommen. Doch gerade die Beschreibung unserer Gefühle verhindert diesen Zugang. Die Beschreibung zieht unsere Aufmerksamkeit in den rationalen Teil. Unser Fokus liegt auf unseren Gedanken.
In die Körperempfindung einzutauchen bedeutet, dass es zwischen dir und deiner Erfahrung keine Trennung mehr gibt. Deine Gedanken sind nicht deine Erfahrung. Deine Gedanken sind im Wesentlichen Fantasie. Im besten Fall sind sie der hoffnungslose Versuch, deine Gefühle zu beschreiben. Je intimer du mit deinen Gefühlen sein kannst, desto genauer kannst du sie auch beschreiben. Und zwar so weit, dass du dafür gar keine Beschreibung mehr brauchst. Wenn du eins bist mit deinen Gefühlen, bist du ohne Worte fühlbar.
Wenn es jetzt Mode wird, über seine Gefühle zu sprechen, dann bedeutet das eben leider gar nichts. Es führt nicht zu mehr gegenseitigem Verständnis. Wir können andere nicht verstehen, solange wir unsere eigenen Gefühle nicht bewusst wahrnehmen können. Durch die bewusste Wahrnehmung unserer eigenen Gefühle entwickeln wir ein Verständnis für uns selbst. Wir finden heraus, wie dieses Spiel in uns tatsächlich funktioniert.
Es muss sich dadurch überhaupt nichts auflösen oder transformieren. Es genügt, dass wir dadurch zum Beobachter werden und uns selbst auf die Schliche kommen. Alleine dadurch durchbrechen wir unsere Programmierung. Denn die Programmierung ist nur ein Automatismus. Bewusste Beobachtung hält diesen Automatismus an. Dadurch müssen wir nicht mehr in den Bereich unserer Fantasien, also unserer Gedanken, flüchten. Automatisierte Handlungen, automatisierte Gedanken und sogar automatisierte Gefühle werden dadurch überflüssig.
Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber wir haben ja Zeit. Denn wir haben in diesem Leben nichts anderes mehr vor. Falls du irgendetwas mitnehmen kannst, dann nur das: Erfahrung und Erkenntnis.
Echte Erfahrung und echte Erkenntnis finden immer auf Körperebene statt. Dort ist die rationale Verarbeitung unserer Gefühle überflüssig.