»Verbinden kann nur der, der bereit ist, alleine zu sein.«
Wenn du nicht bereit bist, alleine zu sein und versuchst zu verbinden, dann kommt die Verbindung immer aus dem gefühlten Mangel. Der gefühlte Mangel an Verbindung sorgt für deinen Wunsch nach Verbindung. Und diesem Wunsch rennen wir dann hinterher, ohne jemals untersucht zu haben, woher er kommt.
Die meisten Menschen wollen ständig verbinden, weil sie nicht alleine sein können. Sie folgen lieber ihrer Programmierung und erheben sie zur Spiritualität, ohne sich vorher auch nur annähernd damit auseinandergesetzt zu haben, woher ihre Wünsche kommen. Sie kommen ihnen so normal vor, dass sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, sie zu hinterfragen.
Jeder positive Wunsch hat einen negativen Grund. Das darf man aber heute niemand mehr sagen, denn das ist ja negativ. Gleichzeitig ist es halt leider auch unsere Psychologie. So funktionieren wir.
Und jeder negative Grund für einen positiven Wunsch liegt nicht in dem, wie es jetzt gerade ist. Er liegt lange zurück, er ist tief verborgen und deshalb nur schwer zugänglich. Wir müssen auch gar nicht herausfinden, was der Grund für den positiven Wunsch ist. Es genügt, wenn uns klar wird, dass wir versuchen, dadurch etwas zu kompensieren.
Wenn wir das erkennen, dann können wir etwas erkennen, was wir bis dahin nicht bereit waren wahrzunehmen: Positive Wünsche lösen nämlich gar keine positiven Gefühle in uns aus. Ganz im Gegenteil: Positive Wünsche stressen uns. Sie lösen Druck aus, weil sie im Widerspruch zu unserer erlebten Realität stehen. Unsere erlebte Realität sind unsere Gefühle in Form von Körperempfindungen. Der positive Wunsch ist eine Fantasie als Reaktion darauf.
Ein schöner Traum oder eine positive Fantasie ändert nicht einfach unsere Gefühle in Form von Körperempfindungen. Ganz im Gegenteil: Sie machen die Diskrepanz noch deutlicher.
Wenn wir uns also Verbindung wünschen, müssten wir zuerst Trennung bewusst erleben. Wir müssten "allein sein" bewusst erleben. Und wir müssten dafür bereit sein. Wir müssten es genau so wollen, wie wir uns Verbindung wünschen.
Und an diesem Punkt steigen die meisten aus. Denn das ist ja genau, was sie nicht wollen. Vor dem laufen sie ja ihr Leben lang schon weg. Verrückterweise mit Hilfe ihrer positiven Wünsche. Und das auch noch, während sie sich einreden, wie positiv sie sind und wie sehr sie sich das Positive wünschen. Tatsächlich ist die Grundlage vollkommene Negativität dem gegenüber, was sie tatsächlich erleben.
Und in der ständigen Verdrängung dessen, was wir erleben, können wir nichts kreieren. Vor allem nicht das, was wir uns wünschen. Und so leben wir eine Lüge in unserem eigenen Gefängnis, das uns noch nicht einmal auffällt, das wir im Gegenteil sogar vehement verteidigen.
Für den Verstand klingt das depressiv. Tatsächlich ist es die Grundlage deiner Befreiung: eine Befreiung aus einem unbewusst selbst kreierten Gefängnis.