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    27.5.2025AQ 2741
    »Wissen verhindert Erfahrung.«
    0:005:47

    »Wissen verhindert Erfahrung.«

    Um das heutige Zitat zu verstehen, musst du dich mal wieder sehr genau beobachten. Du musst bereit sein, genau hinzuschauen und genau das umzusetzen, was mit diesem Zitat gemeint ist. Für die meisten Menschen ist dieser Wechsel das Schwierigste überhaupt. Er findet nicht statt, weil der Verstand nicht bereit ist, sich selbst aufzugeben. Deshalb hier die ausführliche Erklärung:

    Wenn du die Quelle eines Zitates oder einer Aussage kennst oder wenn du sogar die Aussage selbst kennst, verhinderst du damit, dass du es lebst. Unser Verstand hat diesen automatischen Reflex. Er sagt dir: "Ah, das kenne ich. Das habe ich schon gehört. Ich weiß auch, wer das schon gesagt hat. Und ich weiß auch genau, wie er das gemeint hat."

    Das ist eine nette Assoziation. Das bedeutet aber überhaupt nicht, dass du das lebst, was gemeint ist. Wenn du kommentierst, was du gehört hast, wenn du kommentierst, was du auswendig gelernt hast, dann kann das Zitat nicht wirken. Und dabei geht es nicht um den Kommentar auf einer Plattform, sondern um den Kommentar in deinem Kopf.

    Das gilt in den meisten Fällen verrückterweise selbst dann, wenn du das Zitat bestätigen möchtest, weil du es selbst erlebt hast. Der Verstand ist nämlich ein unfassbarer Wichtigtuer und das bekommt er nicht mit. Er will Bestätigung und die holt er sich sogar darüber, dass er andere bestätigt. Der Teil in dir, der aktiv ist, um zu denken oder zu sagen: "Ja, genau! So sehe ich das auch. Ich kenne das Zitat!", ist der Teil, der verhindert, dass es tiefer wirkt.

    Es gibt eine tiefere Bestätigung als die Bestätigung im Kopf. Diese Bestätigung wird durch Berührung fühlbar. Und diese Berührung wird durch einen bestätigenden Verstand unterbrochen. Deshalb ist es möglich, dass sich Bestätigung von anderen noch schlechter anfühlt als Ablehnung.

    Das Eigenleben des Verstandes besteht und entsteht durch Assoziationsketten. Er greift auf Erinnerungen zurück. Diese Erinnerungen sind meistens keine echten Erfahrungen. Zu viel ist in uns durch Medienkonsum abgespeichert. Zu diesem Medienkonsum gehören auch die ach so guten Bücher. Spirituelle erinnern sich daran, was Buddha gesagt hat. Was Buddha gesagt hat, ist aber nicht deine Erfahrung. Außer du hast erlebt, was Buddha gesagt hat. Und dann ist es nicht mehr, was Buddha gesagt hat — dann ist es deine Erfahrung.

    Und genau dann erlebst du einen Unterschied. Und zwar den Unterschied zwischen einem bestätigenden Verstand und Berührung. Wenn du gelesen hast, was Buddha gesagt hat und es auswendig kannst, dann bestätigt dein Verstand, dass du es kennst. Er will andere loben und er will selbst gelobt werden. Und er will auch recht haben.

    Wenn du es erlebt hast, bist du berührt. Und in dieser Berührung ist kein Platz für Bestätigung. In dieser Berührung fühlst du, was gemeint ist, weil du es erlebt hast oder weil du eine Ahnung davon hast. Es kann sein, dass Tränen aufsteigen. Es kann sein, dass es ganz weit wird. Und in dieser Erfahrung liegt echtes Wissen.

    Wissen weit jenseits deines Verstandes. Wissen, das übrigens sogar unabhängig ist von der Quelle und den verwendeten Worten. Wissen, das keinerlei Bestätigung braucht, weil dieses Wissen die Bestätigung selbst ist.

    Diese Bestätigung kommt nicht durch Gedanken, sondern durch Berührung.