»Künstliche Intelligenz kann gut imitieren. Für das echte Leben ist sie denkbar ungeeignet.«
KI ist bezeichnend für unsere Zeit der Social-Media-Authentizität. Kaum jemand erkennt den Widerspruch in diesem Begriff. Es gibt keine Social-Media-Authentizität. Es gibt nur Social-Media-Inszenierung. Es ist also künstlich. Und nachdem wir unser Sozialverhalten künstlich an Instagram ausgelagert haben, machen wir es auch mit unserer angeblichen Intelligenz. Wir sind künstlich und denken dabei, wir seien intelligent. Wir lassen Spirituelles nicht rein, glauben aber, hoch spirituell zu sein. Wir sind die KI und merken es nicht.
Ich kann Künstliche Intelligenz natürlich für alle organisatorischen Dinge nutzen. Ich kann sie einsetzen wie eine bessere Suchmaschine. Aber eines werde ich ganz sicher nicht tun: Ich werde sie nicht für meine Arbeit verwenden. Ich lass von der KI weder meine Zitate schreiben, noch werde ich die KI jemals darum bitten, Texte für mich zu schreiben. Eine derartige Herangehensweise wäre für mich armselig. Es wäre ein Offenbarungseid.
Ein Offenbarungseid, den die meisten noch nicht einmal verstehen. Denn was würde das bedeuten, wenn ich mir Hilfe von der Künstlichen Intelligenz beim Kern meiner Arbeit wünsche? Es würde entweder bedeuten, dass ich meine Arbeit nicht gerne mache oder dass ich sie gar nicht kann, dass ich gar nicht dafür geeignet bin. Es würde bedeuten, dass sie mir nicht entspringt oder dass ich mir schwer tue dabei. Und damit würde sie allem widersprechen, was ich jemals über Arbeit gesagt habe.
Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn du dir mit Hilfe von KI dein Leben leichter gestaltest. Wenn du aber danach strebst, deine Arbeit durch KI zu ersetzen, dann läuft das bei dir falsch, was bei den meisten Menschen falsch läuft. Das ist kein Vorwurf, das ist eine Beobachtung. In allererster Linie eine Beobachtung bei mir selbst.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie leicht mir meine Arbeit fällt, selbst wenn sie mir mal schwer fällt. Das ist im Vergleich zu den ersten 40 Jahren meines Lebens ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich fühle mich unabhängig von meinen Gefühlen gesegnet, diese Arbeit tun zu dürfen. Die Erlaubnis dafür bekomme ich von niemandem außer mir selbst. Diese Erlaubnis kann auch dir niemand geben außer du dir selbst. Und dann musst du stur sein und sie einfach machen. Unabhängig von den äußeren Umständen. Das ist das exakte Gegenteil unserer Außenorientierung. Und auch KI beinhaltet diese Außenorientierung.
Ich experimentiere natürlich trotzdem damit und es ist interessant, was ich da herausfinde: Wenn ich die KI darum bitte, Texte in meinem Namen zu schreiben oder Texte von mir zusammenzufassen, dann ist das Ergebnis nicht wirklich schlecht. Aber es ist nicht meins. Sie imitiert mich gut. Und manchmal imitiert sie mich auch richtig schlecht. Es hört sich abgedroschen an und sie arbeitet mit viel zu vielen Stereotypen. Sie meint, ich wolle dich aufs nächste Level bringen. Und sie interpretiert mich als eine Art Motivationscoach.
Da hat sie mit manchen Menschen etwas gemeinsam. Denn jeder ordnet mich aufgrund seines Bewusstseins ein. Und da falle ich bei einigen genau in diese Kategorie. Ich werde also schon ohne Künstliche Intelligenz falsch interpretiert. Sehr viel schlimmer kann es durch KI gar nicht werden.
Es kann sein, dass sich die KI schon bald in alles einmogeln wird. Und es kann sein, dass wir sie nicht mehr abstellen können. Dann ist dein Gefühl mehr gefragt als je zuvor. Ich lasse deshalb generell alle KI Funktionen ausgeschaltet und schalte sie nur dann an, wenn ich gezielt nach etwas suche.
Ich habe von spirituellen Coaches gehört, dass sie KI einsetzen, um ihre Skripte zu schreiben. Das ist für mich hochgradig irritierend, passt aber zu dem, wie ich sie wahrnehme: Sie wollen effizient sein und dabei Spiritualität verkaufen. Sie wollen bekannt sein, einen großen Namen haben und Einfluss auf Menschen nehmen.
Ich möchte dich gar nicht beeinflussen. Ich möchte dir nur zeigen, wie es schon immer war. Dafür brauche ich keine KI. Und sollte ich eine KI dafür brauchen, dann kann ich dir das nicht mehr zeigen. Dann wäre ich gut im Imitieren und im Inszenieren. Dann würde ich dir eine Social-Media-Authentizität vorspielen, während ich tatsächlich vollkommen künstlich bin.
So weit wird es bei mir nicht kommen. Dafür liebe ich meine Arbeit viel zu sehr.