»Damit ein Vakuum ganz natürlich gefüllt werden kann, musst du es zuerst entstehen lassen.«
Im Entstehenlassen von Vakuums sind wir nicht besonders gut, weil wir wenig Erfahrung damit haben. Und wenig Erfahrung haben wir, weil wir ungeduldig sind. Wenn wir es entstehen lassen, wird ein Vakuum immer zum richtigen Zeitpunkt gefüllt. Diesen richtigen Zeitpunkt bestimmen aber nicht wir. Da wir trotzdem die ganze Zeit versuchen, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, funktioniert es nicht. Wir versuchen aber nicht nur, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen. Wir versuchen immer auch aktiv das Vakuum so schnell wie möglich wieder zu füllen. Also zum Beispiel gleich einen Ersatz finden für das, was weggefallen ist.
Meistens sind wir davon überzeugt, dass sich dieser Druck aus wirtschaftlichem Druck ergibt. Wir tun dann so, als hätten wir keine Zeit. Tatsächlich ist das ein latent vorhandener Druck in uns, für den wir dann eine logische Begründung oder Erklärung suchen. Und wenn wir eine logische Erklärung gefunden haben, dann fühlt sich das erst einmal irgendwie gut an.
Wir haben ja jetzt vermeintlich den Schuldigen ausfindig gemacht. Und dieser Schuldige sind natürlich nicht wir oder unsere Gefühle, sondern andere oder noch besser: andere externe Umstände. Je diffuser die Umstände und je vager die Erklärung, desto wohler fühlen wir uns damit. Das bedeutet nämlich, dass wir nichts daran ändern können. Wir sind hilflos und schutzlos ausgeliefert.
Nichts könnte uns den Tag so sehr versauen wie die Erkenntnis, dass das alles Gedankenkonstrukte sind, die nicht wahr sind. Unsere Wahrhaftigkeit hat ihre Grenzen und das sind unsere Schmerzgrenzen. Je mehr Schmerzen unsere Selbsterkenntnis auslöst, desto stärker lehnen wir sie ab.
Wie entsteht nun also ein Vakuum und wie schaffen wir es, dieses Vakuum nicht sofort füllen zu wollen? Das Vakuum entsteht, indem wir erst einmal nicht handeln. Vor allem nicht programmiert handeln. Anschließend dürfen wir uns nicht an jeden nächstbesten Strohhalm klammern. Es ist nicht nur wichtig, keine Kompromisse zu machen. Es ist entscheidend, überhaupt keine Lösung zu suchen. Denn die Suche nach einer Lösung lässt das Vakuum in uns erst gar nicht entstehen. Das ist unnatürlich und deshalb kann das Vakuum auch nicht natürlich gefüllt werden.
Und an dieser Stelle gibt es einen seltsamen Aspekt. Dieser Aspekt lässt mich einerseits die Spirituellen verstehen und andererseits muss ich ihnen aus eigener Erfahrung widersprechen. Sie sagen an dieser Stelle nämlich: "Du musst dem Leben vertrauen." Vielleicht meinen sie das, was ich meine. Aber ich merke: Ich muss dem Leben gar nicht vertrauen. Ich muss das Vakuum zulassen. Wenn ich versuche, dem Leben zu vertrauen, dann fülle ich das Vakuum schon wieder mit etwas, nämlich in diesem Fall mit Vertrauen.
Vertrauen musst du nur, wenn du ungeduldig bist. Und die Ungeduld ist das, was du aushalten musst, um nicht künstlich ins Vertrauen zu gehen. Sei doch einfach ungeduldig. Wenn du die Ungeduld fühlst, dann merkst du, dass es gar nichts bringt, ungeduldig zu sein. Du realisierst, dass das eine Freizeitbeschäftigung deines Körpers ist. Er fühlt halt Ungeduld. Und wenn du ganz genau hinschaust und wirklich fühlst, dann merkst du, dass dich diese Ungeduld zu absolut gar nichts zwingt oder verpflichtet. Nur deine Unfähigkeit, die Ungeduld zu fühlen, erweckt in dir den Eindruck, du müsstest etwas tun. Und genau das ist einfach nicht wahr.
Dein Verstand bekommt an dieser Stelle Angst vor einem depressiven Leben. Alternativ fühlt er sich auch in die Bedeutungslosigkeit versetzt. Und genau das ist ein Vakuum. Ein Vakuum, das wir alle nicht aushalten wollen. Wir wollen es füllen. Wir wollen bestimmen, wie es weitergeht. Und damit nehmen wir die alte Welt in die vermeintlich neue mit und bleiben dadurch in der alten.
Die Geduld, die ein Vakuum erfordert beziehungsweise die Fähigkeit, Ungeduld zu fühlen, die ein Vakuum erfordert, ist immens. Doch genauso immens ist das Geschenk eines Vakuums, das sich ganz natürlich von selbst füllt.