»Jede Unterstützung verhindert den Erfolg mehr, als sie nutzt.«
Diesen Satz hört kaum jemand gerne. Also müssen wir untersuchen, warum das so ist. Der Grund dafür ist unser Anspruchsdenken. Wir denken, wir hätten einen Anspruch auf alles Mögliche und Unmögliche. Wir haben ihn aber nicht. Trotzdem wird es uns so vermittelt, als hätten wir ihn. Wir beschreiben eine hilfreiche Gemeinschaft als sozial und gegenseitig unterstützend. Und wir erkennen den wesentlichen Aspekt, der gleichzeitig ein massiver Stolperstein auf dem Weg zum Glück ist, nicht: Unterstützung macht uns abhängig. Nicht unbedingt offensichtlich, aber ganz sicher immer subtil.
Je mehr Unterstützung wir erhalten, desto unfreier werden wir. Das ist ein automatischer und schleichender Prozess. Und dieser Prozess kann absichtlich oder unabsichtlich hervorragend ausgenutzt werden. Offiziell wird Unterstützung angeboten. Tatsächlich werden wir in Abhängigkeiten gedrängt. Und wenn wir uns lange genug an diese Abhängigkeiten gewöhnt haben, dann sind wir selbst der Meinung, dass wir ohne die Unterstützung nicht mehr existieren können. Wir denken, wir brauchen sie. Ihren Wegfall interpretieren wir als unseren Untergang. Deshalb sind wir bereit, uns anzupassen und maximal zu verbiegen, nur um diese Unterstützung nicht zu verlieren.
Das gilt für private Hilfen genauso wie für Wirtschaftshilfen. Wir sind faktisch abhängig, wollen es aber nicht wahrhaben. Und wir wollen es nicht wahrhaben, weil wir uns bereits so sehr dafür verbogen haben. Die Erkenntnis, dass wir käuflich sind, wäre so unfassbar schmerzhaft, dass wir sie nicht haben wollen. Vielleicht haben wir durch die Unterstützung sogar unsere Ziele erreicht. Bekanntermaßen reicht uns das aber nie. Deshalb entwickeln wir weitere Ziele und für die brauchen wir natürlich weitere Unterstützung. Und für diese weitere Unterstützung bekommen wir weitere Abhängigkeit gepaart mit dem subtilen Gefühl, jemandem etwas schuldig zu sein.
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an einen sehr interessanten Artikel, den ich vor 25 Jahren wahrscheinlich über einen älteren Unternehmer am Starnberger See gelesen habe. Ich weiß nicht mehr, wie er hieß. Aber ich erinnere mich daran, was er gesagt hat. Er wurde dafür sehr kritisiert, aber er konnte es sich leisten, weil er ganz oben angekommen war und soweit ich mich erinnern kann, auch im Ruhestand mittlerweile. Er wurde geehrt für sein Lebenswerk. Und er hat etwas gesagt, das kaum jemand gefallen hat. Außer mir! Er meinte, er habe sein ganzes Leben nach Unabhängigkeit gestrebt und sie im Unternehmertum versucht zu verwirklichen. Doch im Lauf der Zeit musste er feststellen, dass die Abhängigkeiten nur subtiler werden, je erfolgreicher man wird.
Für mich ist das eindeutig: Wenn du auf dem Weg nach oben Unterstützung brauchst, wirst du ganz automatisch abhängig. Sowohl von der Droge namens Unterstützung als auch von den Dealern, die mit dieser Droge handeln. Du stehst dann eben nicht auf eigenen Beinen. Und selbst dann, wenn du sehr erfolgreich dadurch wirst, bist du nicht unabhängig. Und dadurch verhindert jede Unterstützung echten Erfolg. Denn Erfolg ist nur echt, wenn er unabhängig ist. Wenn du in ein Geflecht von Abhängigkeiten eingebunden bist, fühlt sich Erfolg weder wie Erfolg noch wie Freiheit an. Der Erfolg ist dann tatsächlich dein Gefängnis.
Im Gefängnis der Abhängigkeit ist Erfolg keiner mehr.