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    17.5.2025AQ 2731
    »Wenn wir für Ehrlichkeit bestraft werden, lernen wir zu lügen.«
    0:005:22

    »Wenn wir für Ehrlichkeit bestraft werden, lernen wir zu lügen.«

    Wir lernen nicht zu lügen, weil wir lügen wollen. Wir lernen zu lügen, weil es eine Notwendigkeit wird. Und diese Notwendigkeit ergibt sich aus unserem Umfeld. Wenn wir für Ehrlichkeit bestraft werden, realisieren wir, dass sich Ehrlichkeit für uns nicht lohnt. Und nicht nur das! Wir lernen sogar, dass sie uns schadet. Kein Mensch möchte sich so verhalten, dass er sich selbst schadet. Also beginnen wir so zu sein wie unsere Vorbilder.

    Unsere gesamte Psychologie ist nicht sehr kompliziert. Sie lässt sich aus diesem Kern ableiten: Wir wollen, dass es uns gut geht. Wir streben nach Harmonie. Und wenn wir das dadurch, wie wir sind, nicht erreichen, dann passen wir uns an. Die Psychologen nennen das dann "kognitive Dissonanz" oder "Stockholmsyndrom". Libertäre und Anarchisten sprechen von "Obrigkeitshörigkeit" und "Staatsgläubigkeit". In den sozialen Medien spricht man von der "Filterblase" oder der "Echokammer".

    All dem liegt zugrunde, dass wir uns wohlfühlen wollen. Es ist wichtig zu erkennen, dass das ein legitimes Bestreben ist. In der öffentlichen Diskussion wird das nämlich umgedreht. Es wird von uns verlangt, dass wir objektiv sein sollten. Und es wird behauptet, dass wir diese Objektivität dadurch erreichen können, dass wir mehr Informationen aufnehmen. Das ist nicht richtig. Das ist sogar grundlegend falsch. Denn je mehr Informationen wir aufnehmen, desto verunsicherter sind wir. Und wir streben nach Sicherheit.

    Diese Sicherheit finden wir eben genau dort, wo wir dann psychologische Begriffe erfinden. Die Informationen überwältigen uns nämlich und die Informationsquellen sind gar nicht so neutral, wie sie immer tun. Damit meine ich nicht die enthaltene Information, sondern die Haltung des Senders. Der hat nämlich eine ganz ähnliche Haltung wie dein früheres Umfeld. Wenn du ihm gegenüber ehrlich bist, lehnt er dich ab. Auf dieser Basis kann keine Heilung stattfinden. Es kommt nämlich eine Sache erschwerend hinzu: Du weißt gar nicht mehr, wie du bist, wenn du ehrlich bist. Du glaubst nur zu wissen, dass deine aktuelle Meinung ehrlich sei. Tatsächlich liegt deine Ehrlichkeit unter jahrzehntelangen Lügen begraben.

    Der allererste Fehler liegt aber noch weit davor. Wir glauben tatsächlich, es ginge um die Ehrlichkeit anderen gegenüber. In Wahrheit belügen wir in allererster Linie uns selbst. Das machen wir nicht absichtlich. Das machen wir aus Notwehr. Es ist unsere Notwehr einer Welt gegenüber, die mit unserer ursprünglichen Ehrlichkeit nicht klar gekommen ist. Eine Welt, die uns, so wie wir waren, nicht wollte. Eine Welt, die von uns verlangt hat, dass wir uns verändern. Diese Ansprüche unseres Umfeldes in unserer Kindheit tragen wir jetzt in uns selbst. Wir sind immer noch verwirrt und wir versuchen uns immer noch anzupassen.

    Die Anpassung ist die Lüge. Es geht dabei nicht um Lügen im Sinne einer objektiven Wahrheit. Es geht um die Lüge der Anpassung. In der Spiritualität nennt man das "Ego". Der Begriff dafür ist aber egal. Es geht um das, was du zugunsten deines Umfeldes verdrängst. Du verdrängst es nur, um den Stress der Anpassung nicht fühlen zu müssen.