»Diskussionen finden auf derjenigen mentalen Ebene statt, auf der es keine Spiritualität gibt, nie gegeben hat und niemals geben wird.«
Das bedeutet nicht, dass du nie wieder diskutieren darfst. Das Seltsame ist, dass viele Menschen, die Spiritualität für sich entdecken, versuchen ab diesem Zeitpunkt nur noch spirituell zu sein. Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt, denn sie haben ihr Ego noch nicht verloren. Also gibt es Anteile in ihnen, die nicht spirituell sind. Die werden aber nicht dadurch bearbeitet oder gar bekämpft, indem du so tust, als wären sie nicht mehr da.
Wenn du alles dafür tust, damit du nie wieder streitest, dann ist das gegen dich selbst gerichtet. Du verfolgst dann ein verrücktes spirituelles Ziel, ein Ziel, das dir kein einziger guter spiritueller Lehrer vorgeben wird. Denn der Kern von Spiritualität ist nicht, dein Ego künstlich loszuwerden, sondern tatsächlich. Und damit du es tatsächlich loswerden kannst, ist die Konfrontation mit deiner erlebten Realität wesentliche Grundvoraussetzung.
Erst wenn du deine eigene Realität bewusst erlebst, gibt es die Möglichkeit, dass sich in dir etwas verändert. Wenn du versuchst, die von dir erlebte Realität zu verdrängen, verändert sich gar nichts, denn dann machst du einfach so weiter wie bisher. Wenn du stattdessen beginnst zu beobachten, dann weißt du ganz genau, was mit diesem Zitat gemeint ist. Denn du beobachtest, wie du dich bei Diskussionen und Streit innerlich veränderst. Du fühlst die Verkrampfung, deinen Willen, dich durchzusetzen, die Anklagen den anderen gegenüber und du fühlst deine Wut und deine Verzweiflung, aufgrund derer du dich verteidigen willst.
Das ist bereits Spiritualität. Dafür musst du gar nichts verändern. Die Veränderung tritt ein oder auch nicht aufgrund von bewusster Beobachtung. Wenn du bewusst beobachtest, ist Veränderung nicht mehr das Ziel. Du hast das Ziel bereits dadurch erreicht, dass du bewusst beobachtest. Mehr geht gar nicht. Das ist bereits das Sahnehäubchen. Es ist die größte Veränderung, die du in deinem Leben herbeiführen kannst. Und je öfter du jede unangenehme Situation bewusst erlebst, desto mehr wird dir klar, wie überflüssig sie sind und wie wenig sie dir helfen.
Mach dann nicht den Fehler, sie dringend beenden zu wollen. Das geschieht alles in seinem eigenen Tempo. Du musst dafür überhaupt nichts tun. Tatsächlich kannst du auch gar nichts dagegen tun. Denn sobald du etwas unternimmst, das von deinem Verstand gesteuert ist, ist es schon nicht mehr echt. Und das ist dann eher ein Rückschritt als eine Entwicklung. Denn sobald du dich verstellst, kannst du nicht mehr ehrlich beobachten. Ein Teil in dir weiß ja, dass du dich verstellst. Und der muss so tun, als wüsste er nichts.
Wenn du in der Lage bist, genau das zu beobachten und alle deine internen Mechanismen dir selbst gegenüber offen legst, hast du den größten Schritt bereits getan. Der Rest sind nur noch Details und die ergeben sich von selbst. Sie müssen nicht von dir herbeigeführt werden.
Mach dir selbst nichts vor. Und der Rest ergibt sich von selbst.