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    10.5.2025AQ 2724
    »Gruppendynamik verhindert Spiritualität.«
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    »Gruppendynamik verhindert Spiritualität.«

    Es gibt nichts Besseres für dein Ego als eine Gruppe. Das ist unabhängig davon, welche Art von Ego du hast. Denn in einer Gruppe findet jedes Ego sein Zuhause. Es findet Bestätigung und Trost. Es wird seinen Platz finden und seine Rolle perfekt spielen. All das vollkommen unabhängig davon, welche Rolle es spielt! Denn das Ego kennt nicht nur eine einzige Rolle. Also nicht so, wie es oft umgangssprachlich bezeichnet wird: "Der hat aber ein großes Ego." Solche Aussagen sagen meistens mehr über den aus, der sie trifft, als über denjenigen, über den gesprochen wird. Und am allerlustigsten wird es, wenn in einer spirituellen Gruppe niemand bereit ist, sein eigenes Ego zu erkennen und zurückzunehmen. Denn dann gibt es Diskussionen bis hin zu Streit darüber, was denn nun das Ego sei und was nicht. Und dann wird begründet und hin und her diskutiert und alle reden sich um Kopf und Kragen, ohne das zu merken.

    Wenn es in einer spirituellen Gruppe keinen spirituellen Lehrer gibt, dem die Teilnehmer aus gutem Grund vertrauen, gibt es nur zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Die eine ist ein großes Hauen und Stechen. Und die andere ist die komplette Verwässerung. Das Hauen und Stechen ist einfach erklärt: Viele wollen recht haben und sich durchsetzen. Die Verwässerung kommt auch sehr einfach zustande: Viele ziehen sich zurück, es wird friedlicher und alle anderen wollen diesen Frieden nicht stören.

    Echte Spiritualität ist aber Aufruhr. Wenn dich Spiritualität nicht aufrüttelt und bewegt — wozu solltest du dann spirituell sein? Dann gibt es ja keinen Unterschied zu vorher. Doch diese Aufruhr, dieses Aufwühlen braucht eine Anleitung. Es braucht jemanden, der das aus eigener Erfahrung kennt und der deinen uneingeschränkten Respekt genießt. Nicht weil er perfekt ist, sondern weil du ihm vertraust. Und damit tun sich die Menschen in spirituellen Gruppen beziehungsweise ihr Ego extrem schwer. Sie kommen lieber ganz schnell mit dem Spruch "Jeder ist sein eigener Guru" um die Ecke und das nur, um sich ihre emotionalen Verletzungen nicht anschauen zu müssen. In Gruppen lässt sich das Ego so leicht anstacheln wie nirgendwo sonst. Es lässt sich einfach mitreißen. Egos lieben Gruppendynamik.

    Ich könnte dir unzählige Beispiele aus meiner früheren Facebookgruppe berichten. Die meisten habe ich längst vergessen und ich erzähl dir auch lieber ein ganz praktisches Beispiel von mir selbst: Als ich 2006 zu Samarpan gekommen bin, hat mich etwas sehr irritiert. Ich bin in seinen Satsang in München gegangen und ich wollte keinen Kontakt. Ich hatte überhaupt nichts gegen die Menschen, die da waren, aber ich wollte mit niemandem sprechen. Dieses Verhalten von mir stand im krassen Widerspruch und Gegensatz zu meinem sonstigen Verhalten. Denn die Jahre vorher habe ich die ganze Zeit versucht, Kontakte zu knüpfen. Ich war, so dachte ich, ein großartiger Netzwerker. Und teilweise stimmte das auch. Ich habe Kontakte geknüpft, ich habe Menschen zusammengebracht. Ich habe gemeinsam mit anderen Menschen Ideen verwirklicht, eine Firma gegründet, versucht, eine neue Art von Zeitschrift ins Leben zu rufen und so weiter.

    Mittlerweile merke ich: Das bin ich gar nicht. Ich wollte mich damals an das anpassen, was alle anderen machen beziehungsweise was ich interpretiert habe, das man tun müsste, um erfolgreich zu sein. Ich kann dir mittlerweile aus eigener Erfahrung sagen, dass das gar nicht notwendig ist. Es ist nur eine von vielen Möglichkeiten und ich habe sie als die einzige gesehen. Und obwohl diese Möglichkeit nie so richtig gut funktioniert hat, habe ich an ihr festgehalten. Und das einfach nur deshalb, weil ich keine andere Möglichkeit gesehen habe. Ich war innerlich ein Rebell und äußerlich wollte ich mich anpassen. Ich hätte mir damals nie vorstellen können, dass das nicht mein wahrer Kern ist. Ich war überzeugt, dass Netzwerken meine Stärke ist. Teilweise war ich ja auch erfolgreich damit. Trotzdem hat es sich für mich nie rund angefühlt.

    Ab meinem ersten Satsang bei Samarpan hat es dann nur noch 18 Jahre gedauert, bis ich es wirklich verstanden und integriert habe.