»Du weißt nicht mehr, wem du glauben sollst? Das ist der Moment deiner Öffnung.«
Wie oft haben wir diesen Moment schon verpasst? Was passiert in uns, wenn dieser Moment auftaucht? Wir fühlen uns hilflos. Und wir wollen diese Hilflosigkeit so schnell wie möglich wieder loswerden. Das ist verständlich. Doch dadurch verschließen wir uns wieder. Die Öffnung kann nicht stattfinden. Sie wurde vertagt. Die Wahrheit wurde verdrängt. Die Wahrheit ist: Du weißt nicht mehr, wem du glauben sollst. Und das lässt dich verzweifeln, statt dass du dich davon befreien lässt.
Wenn du die Unsicherheit und die Verzweiflung tief in dir wirken lässt, entsteht Freiheit. Es gibt keinen freieren Menschen als denjenigen, der es ertragen, aushalten und sogar lieben kann, dass er nicht mehr weiß, wem er glauben soll. Es sind alles nur Meinungen und Überzeugungen von anderen. Jeder will dich auf seine Seite ziehen. Doch du passt auf keine Seite. Du stehst für dich alleine. Schon immer.
Die Idee von Kraft durch Zusammenhalt war verführerisch, denn sie hat dich in deiner Einsamkeit abgeholt. Doch Zusammenhalt stärkt dich nur scheinbar. Tatsächlich schwächt er dich. Denn für jeden Zusammenhalt musst du Kompromisse eingehen. Und jeder Kompromiss ist faul. Zumindest dann, wenn der Zusammenhalt aus dem Ego entsteht. Und Zusammenhalt, der entsteht, weil du dich unsicher fühlst oder nicht einsam sein möchtest, entsteht aus dem Ego.
Es gibt eine andere Form des Zusammenhalts und das ist der Zusammenhalt der Seelen. Der ist aber viel weniger romantisch, als sich das die meisten vorstellen. Er ist natürlich und er geschieht über Grenzen hinweg. Er ist an nichts gebunden und er braucht keine physische Kraft.
Glaube niemandem. Vertraue niemandem. Lass diese Sicherheitslücke entstehen. Sie wird dir helfen, Seelenkontakt zu finden. Erst zu deiner eigenen Seele und dann zu anderen. Dafür sind die Momente von Verzweiflung und Unsicherheit da. Sie öffnen dich für etwas, das weit über das hinausgeht, was du bisher als Trostpflaster verwendet hast. Diese Momente sind nicht gegen dich, sie sind für dich und sie kommen so lange, bis du dich öffnest.