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    27.4.2025AQ 2711
    »Wir sind unfähig, etwas aufzuarbeiten, woran wir selbst beteiligt waren.«
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    »Wir sind unfähig, etwas aufzuarbeiten, woran wir selbst beteiligt waren.«

    Wenn du an etwas beteiligt warst, warst du entweder überzeugt davon oder du hast Befehlen gehorcht. Beides entspringt deinem falschen Selbst. Befehlen von Obrigkeiten gehorchst du nur, wenn du es gewöhnt bist. Es muss dich also vorher jemand daran gewöhnt haben. Und die Energie, die bei den meisten Menschen hinter Überzeugungen steht, ist überhaupt nicht so positiv, wie wir denken.

    Es bedarf einer immensen Größe, um zugeben zu können, dass aus dem Gehorsam oder der eigenen Überzeugung etwas Schlechtes entstanden ist. Das schaffen meistens auch diejenigen nicht, die es von denen erwarten, die aufgrund von Gehorsam oder Überzeugung mitgemacht haben. Denn sie sehen sich ja auf der richtigen Seite. Sie glauben ja, alles durchschauen zu können.

    Den tiefsten Einblick bekommt man aber nicht, indem man auf andere schaut, sondern indem man auf sich selbst schaut. Könnten wir uns selbst so gut analysieren, wie wir die anderen analysieren, würden wir zweifelsfrei feststellen, wie schwer es uns selbst fällt, etwas zuzugeben. Und selbst falls wir das schaffen, stellt sich immer noch die entscheidende Frage: Wie soll diese Aufarbeitung aussehen?

    Selbst wenn du es zugibst und entweder dazu stehst oder es dir peinlich ist: Was dann? Wenn du dazu stehst, dann glaubst du ja nach wie vor, dass du keinen Fehler gemacht hast. Du müsstest also dazu stehen, einen Fehler gemacht zu haben und das wäre den meisten peinlich. Du kannst dich entschuldigen und du könntest denen helfen, denen du geschadet hast.

    Die wenigsten Menschen haben diese Größe. Und selbst falls du diese Größe hast: Du kannst es nicht ungeschehen machen. Die meisten Menschen, die diese Größe von anderen verlangen, haben sie selbst nicht. Es ist immer leichter, von anderen etwas zu erwarten, bis man selbst in einer ähnlichen Situation ist. Statt von anderen zu verlangen, sich zu entschuldigen, könnten wir ihnen vergeben.

    Es gibt ein unfassbar berührendes Beispiel dazu: Ein mehrfacher Mörder steht vor Gericht und verzieht während der gesamten Verhandlung keine Miene. Selbst dann nicht, als alle Betroffenen der Opfer ihm die Hölle wünschen. Vor dem Schlussplädoyer sind die Angehörigen so echauffiert und so im Schmerz, dass sie nicht anders können, als den Mörder zu beschimpfen und ihm das Allerschlechteste zu wünschen.

    Als Letztes kommt ein Vater ans Mikrofon, dessen Sohn vom Angeklagten ermordet wurde. Dieser Vater sagt zum Angeklagten Folgendes:

    "Mr. Ridgeway, there are people here that hate you. I'm not one of them. You've made it difficult to live up to what I believe and that is: What God says to do and that's to forgive. You are forgiven Sir."*

    In dem Moment, in dem der Vater des ermordeten Sohnes das Wort "vergeben" in den Mund nimmt, bricht der Täter, der bis dahin regungslos in mehreren Mordfällen für schuldig plädiert hat, in Tränen aus.

    *"Herr Ridgeway, es gibt Leute hier, die Sie hassen. Ich bin keiner von ihnen. Sie haben es mir schwer gemacht, nach dem zu leben, was ich glaube und das ist: Was Gott sagt, dass man tun muss, ist: Vergeben. Ihnen ist vergeben, Sir."