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    22.4.2025AQ 2706
    »Sobald du den Schmerz fühlen kannst, wird Abgrenzung überflüssig.«
    0:006:24

    »Sobald du den Schmerz fühlen kannst, wird Abgrenzung überflüssig.«

    Viele Menschen haben die seltsame Idee von Abgrenzung und du wirst darin auch konstant bestätigt, dass so etwas notwendig ist. Es ist auch notwendig, aber nur für diejenigen, die nicht bereit oder in der Lage sind, ihre Gefühle im Körper wahrzunehmen.

    Wir kennen bisher nur eine Möglichkeit, mit Gefühlen umzugehen. Und das ist tatsächlich gar kein Umgang mit Gefühlen, sondern die Verdrängung von Gefühlen. Das ist auch im Einklang mit unserem inneren Macher beziehungsweise besser gesagt: Daher kommt unser innerer Macher. Da wir Gefühle verdrängen wollen, müssen wir etwas tun. Wir bekommen dadurch den Eindruck, etwas steuern zu müssen. Schließlich können wir es nicht so sein lassen, wie es ist. Wir könnten natürlich, aber wir wollen nicht. Und auch das ist uns vollkommen unbewusst.

    Dieser innere Antrieb, dieses "etwas tun wollen" kommt daher, weil wir noch nie etwas anderes ausprobiert haben. Denn sobald wir nichts mehr verändern wollen, kommt eine innere Stimme, die uns sagt: "So kann es nicht bleiben." Ein paar wenige lassen sich tatsächlich auf das Abenteuer ein, ihre Gefühle als Körperempfindung wahrzunehmen. Sobald du das tust, kommt sofort dein Verstand und sagt: "Das ist zu intensiv. Das ist ein Gefühl, das will ich nicht. Wie lange bleibt das? Wann geht das weg?" Oder auch: "Wieso ist es jetzt schon wieder weg? Es ist zu stark. Es ist zu schwach. Es ist überhaupt nicht notwendig. Warum mache ich das überhaupt?"

    Das bist nicht du. Das ist dein Verstand, der durchdreht. Würden wir diese andere Variante ausprobieren, würden wir uns darauf einlassen, es so hier sein zu lassen, wie es tatsächlich ist. Dann würden wir feststellen, dass sich unsere Themen von selbst erledigen. Allerdings natürlich nicht so schnell, wie das unser Verstand gerne hätte. Und deshalb halten wir es nicht lange aus. Und bevor wir es überhaupt auch nur ansatzweise ausprobiert haben, wechseln wir in unseren alten Modus und wollen die Veränderung wieder aktiv herbeiführen.

    Wenn du bereit und in der Lage bist, deine Körperempfindung wahrzunehmen, dann wird Abgrenzung überflüssig und geschieht von alleine. Sie entsteht dann nicht mehr durch den Macher, der sich abgrenzen will, weil es unverschämt ist oder weil es ihn verletzt, sondern die Abgrenzung geschieht von selbst. Du merkst einfach: Du hast keine Lust auf Kontakt mehr. Oder der andere entfernt sich von dir von sich aus. Außerdem wird dir durch das Fühlen deiner Körperempfindungen das erste Mal klar, wann es wirklich nicht mehr geht, wann du dich wirklich abgrenzen musst. Das musst du dann aber eben nicht mehr tun, sondern das geschieht von alleine. Da ist dann auch kein Hadern mehr und kein Hin- und Herüberlegen.

    Der Verstand versteht nicht, dass er sich aktuell nur deshalb abgrenzen oder auch durchsetzen muss, weil das dein aktueller Zustand ist. Er hält das für den Zustand der Welt. Dem ist nicht so! Es gibt Bereiche, in denen das Abgrenzen und Sich-Durchsetzen vollkommen überflüssig und überhaupt nicht notwendig ist. In seinem aktuellen Zustand kann sich das der Verstand aber nicht vorstellen. Er kennt eine Art und Weise und die möchte er durchsetzen.

    Tatsächlich müsstest du dich also von deinem Verstand abgrenzen. Denn der weiß nicht, was sonst noch alles möglich ist, wenn du ihn nicht mehr beachtest. Wenn du das machst, tut er alles dafür, um dich zurückzubekommen. In diesem Macherzustand gibt es ständig Konflikte und die muss er regeln, indem er sich abgrenzt oder durchsetzt. Wenn du ihn lange genug ignorierst, wird das eines Tages überflüssig.