»Wir wünschen uns die Anerkennung, die wir als Kinder nicht bekommen haben.«
Es fällt mir immer wieder auf, dass wir Bestätigung von außen brauchen. Zumindest denken wir das und wenn wir sie bekommen, dann fühlen wir uns ziemlich gut.
Bei mir ist es oft so, dass ich Dinge in mir trage, bestimmte Aussagen, ein bestimmtes Wissen zu ganz unterschiedlichen Themen und wenn ich dann ein Zitat von jemandem lese, der etwas Ähnliches sagt und wenn der dann auch noch berühmt oder zumindest bekannt ist, dann habe ich zwei sich diametral gegenüberstehende Reaktionen in mir: Der eine Teil fühlt sich bestätigt, freut sich total darüber, dass es andere auch so sehen. Und der andere Teil, der ist fast schon lustig, wenn er nicht so traurig wäre. Der ärgert sich nämlich darüber, dass ich die Bestätigung von anderen brauche und dass ich mich deshalb bestätigt fühle. Dieser Teil würde in anderen gerne so wirken, wie die Zitate, die ich von anderen lese, gerade in mir wirken.
Dabei ist diese Bestätigung ja ein schönes Gefühl. Und nur das kann ich erfahren und wahrnehmen. Ich bin ja nicht dabei, wenn andere etwas von mir lesen. Und selbst wenn ich dabei wäre, würde ich nicht fühlen, was sie fühlen. Ich wünsche mir also das für andere, was ich gerade erlebe. Das ist vollkommen irre. Wahrscheinlich geht es vielen so, sowohl bei diesem spezifischen Thema, aber auch übertragen auf andere Bereiche: Wir wünschen uns die Anerkennung, die wir als Kinder nicht bekommen haben. Meine Eltern würden auch heute noch mit mir über meine Aussagen diskutieren und mir deutlich zeigen, dass sie es anders sehen. Das würden sie machen, wenn ich sie lassen würde. Ich lasse sie aber nicht.
Und allgemeiner geht es um das Thema, dass wir uns für andere wünschen, was wir bereits erleben. Oder wir wünschen uns, diejenige Wirkung zu haben, die andere bereits jetzt gerade in uns haben. Davon wissen die anderen auch nichts. Ein Großteil ist ja auch schon gestorben. Und selbst wenn sie noch leben würden, würde ich sie entweder nicht erreichen, sie würden es gar nicht mitbekommen. Oder falls sie es doch mitbekommen, weiß ich nicht, ob es ihnen etwas bringen würde.
Es gibt einen weiteren Effekt, den ich gerade noch vergessen habe. Und zwar: Wenn ich ein Zitat finde, das mich berührt, dann berührt es mich, weil es bereits in mir ist. Ich stufe halt den Autor des Zitats als wichtiger und bedeutender ein als mich und deshalb finde ich es vielleicht doppelt schön, dass es auch Goethe gesagt hat. Und dann kommt was Komisches: Wenn ich dann dieses Zitat teile mit dem ursprünglichen Autor, dann bekomme ich nicht das bestätigende Gefühl, das ich mir gewünscht habe. Denn ich hatte es ja schon gefühlt. Ich teile das dann, um diese Bestätigung, um dieses Gefühl weiterzugeben. Aber ich weiß ja gar nicht, wie sich die anderen fühlen. Und selbst wenn ich es weiß oder mitbekomme, weil es mir jemand erzählt, dann fühle ich ja nicht mehr das, was ich gefühlt habe, als ich dieses Zitat gelesen habe.
Ich komme damit immer wieder zum Kern zurück und der Kern ist: Du erlebst es dann, wenn du es erlebst. Nicht dann, wenn du es dir wünschst. Dein Erleben in diesem Moment ist vom äußeren Erfolg unabhängig. Und wenn du etwas teilst, dann geht es nicht darum, wie viele Menschen zustimmen, sondern ausschließlich darum, wie wahrhaftig du dir selbst gegenüber bist.
Dein Umfeld oder deine veränderten äußeren Umstände verändern nicht dein Inneres. Du kannst äußerlich in der absoluten Fülle leben und innerlich im vollkommenen Mangel. Du kannst ein gefeierter Star sein und dich innerlich leer und unbedeutend fühlen. Ganz egal, wie sich das Äußere verändert: Deine innere Programmierung wird davon nicht überschrieben. Die ändert sich nur von innen nach außen.
Wir müssen sehr wach sein, um nicht anderen zu wünschen, was wir uns wünschen, was wir aber gerade tatsächlich selbst erleben.