Es gibt keine kollektive Zeitenwende.
Es gibt auch keinen kollektiven Aufstieg. Es gibt ja noch nicht einmal eine kollektive Krise. Denn erstens erlebt nicht jeder eine Krise auf die gleiche Art und Weise. Selbst dann nicht, wenn er sich in der gleichen oder einer sehr ähnlichen Situation wie ein anderer befindet. Und zweitens befinden wir uns ganz selten in einer ähnlichen oder gleichen Situation wie andere.
Die spirituelle Szene ist voll von diesen Versprechen auf eine glorreiche Zukunft. Sie sprechen schon so lange von einer Zeitenwende, von einem kollektiven Aufstieg, von einem Bewusstseinssprung, einer neuen Menschheit, dem Zusammenbruch des Alten beziehungsweise dem Ende der alten Welt. All das wird schon seit Jahrzehnten versprochen, immer wieder. Und es ist bisher so nicht eingetreten. Selbst wenn es eintritt und wenn eine große Krise kommt, dann wird sie von den Menschen trotzdem sehr unterschiedlich erlebt. Jeder erlebt sie entsprechend seines Bewusstseins.
Was bei diesen Krisen und bei den großartigen Veränderungsankündigungen viel wichtiger ist, ist Folgendes: Jede Hoffnung beinhaltet auch ein Vertrösten. Das Hoffnungsspiel funktioniert immer nur mit Enttäuschung. Enttäuschung ist der Gegenpol zur Hoffnung. Und so wird die ganze Zeit Hoffnung verbreitet auf eine bessere Zukunft. Die tritt dann nicht ein und dann ist man enttäuscht und wird vertröstet oder man vertröstet sich selbst mit der nächsten Hoffnung.
Der Grund, warum wir auf diese Szenarien abfahren, liegt darin, dass wir in unserer Kindheit zur Unselbstständigkeit erzogen wurden. Unser Glück wurde von außen eingeschränkt und konnte deshalb auch von außen gegeben werden. Und so jagen wir mit unserer kindlichen Hoffnung diesen positiven Zukunftsszenarien hinterher. Wir wollen erst warten, dass sich außerhalb von uns was verändert, damit wir uns verändern können. Tatsächlich geht es sogar noch weiter: Wir wollen uns gar nicht verändern. Wir wollen, dass die äußere Veränderung genügt. Wie unsere Eltern, die uns zur Belohnung Süßigkeiten geben.
Diese Hoffnung drängt dich in die Passivität. Du kannst maximal darum betteln, dass es doch endlich kommen möge. Aber du kannst es nicht machen, denn es liegt außerhalb von dir. Und das ist das Problem dieser Versprechen einer neuen Zeit des gemeinschaftlichen Aufstiegs der Menschheit, dem Wechsel von 3D in 5D und so weiter. All diese Ankündigungen sind positiv gemeint, halten dich aber abhängig und verrückterweise halten sie dich abhängig von weiteren positiven Meldungen über die Zukunft. Denn das, was versprochen wurde, tritt ja nicht ein und dann musst du dich wieder mit einer neuen Zukunftshoffnung vertrösten.
Verrückterweise sind das teilweise die gleichen Menschen, die dir diese Hoffnungen präsentieren, die dir auch sagen, dass du im Hier und Jetzt leben sollst. Würdest du im Hier und Jetzt leben, würdest du merken, dass es diese Hoffnungen auf die Zukunft überhaupt nicht braucht. Besser als jetzt gerade wird es nicht mehr, weil es außer diesem Moment jetzt gerade gar nichts anderes gibt. Es gibt nur die Ablenkung von diesem Moment durch Hoffnung auf die Zukunft.
Wenn sich dein Bewusstsein erweitert hat, dann weißt du, dass du keine tollen Zukunftsversprechen brauchst. Du weißt auch, dass dein Bewusstsein nicht davon abhängig ist, ob alle mitmachen. Vor allem aber weißt du, dass dir das nicht von außen gegeben wird. Und du weißt noch etwas: Du weißt, dass es dir nichts bringen würde, falls es möglich wäre, dir das von außen zu geben. Also selbst wenn es ginge, dass dir jemand ein erhöhtes Bewusstsein auf dem Silbertablett präsentiert, zum Beispiel durch einen kollektiven Bewusstseinssprung, dann weißt du, dass dir das nichts bringt, denn dann wärst du endgültig abhängig von außen. Und falls sich das Bewusstsein kollektiv wieder erniedrigt, wärst du ja auch mitgefangen und müsstest wieder mit zurück.
Es hängt aber nicht von den anderen ab. Es hängt auch nicht von der Sonne ab oder den Sternen. Es liegt auch nicht an der Schwingung der Erde und es ist sogar egal, wie die anderen drauf sind. Und selbstverständlich ist es auch nicht abhängig von den Nachrichten und davon, wie depressiv die Welt erscheint. Denn die Depression ist genauso in dir wie der Bewusstseinssprung. Doch dazu musst du das Spiel von Hoffnung und Vertrösten aufgeben. Dann entsteht eine neue Welt — und zwar in dir.